Home > Artikel Index > Nachgefragt > Ulrich Bihlmayer, DJ9KR, Leiter der DARC-Bandwacht | 03/1999 User: Visitor
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Ulrich Bihlmayer, DJ9KR, Leiter der DARC-Bandwacht

W.Justen 03/99
 
 
Interview des Mittelrhein-DX-Club mit dem Leiter der Bandwacht des Deutschen Amateur-Radio-Clubs e. V. OM Ulrich Bihlmayer, DJ9KR.

 

Walter Justen: Was ist die "Bandwacht des DARC" und welche Ziele verfolgt sie?

Ulrich Bihlmayer, DJ9KR:Die Bandwacht des Deutschen Amateur-Radio-Clubs e. V. ist der deutsche Zweig des "International Amateur Radio Union Monitoring Systems" (IARU-MS). Sie ist eine Selbsthilfegruppe von Funkamateuren, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die exklusiven Amateurbänder auf Bandeindringlinge hin, also Nicht-Amateurstationen, zu beobachten und diese der deutschen Fernmeldeverwaltung (Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) gemäß dem Kooperationsvertrag zwischen Bandwacht und dem BAPT vom Februar 1973 zu melden. Diese Behörde wiederum nimmt Kontakt mit der entsprechenden ausländischen Fernmeldebehörde über ihre Zentrale in Mainz auf. Das Ziel ist, Bandeindringlinge so rasch wie möglich wieder loszuwerden, da sie die Kommunikation auf den Amateurbändern stören.
 
 

W. Justen: Welcher Art können diese Bandeindringlinge sein?

DJ9KR:Es können sein: Rundfunksender in der Grundwelle und/oder deren Oberwellen (Harmonische) oder Nebenaussendungen (Sender-Intermodulationsprodukte), digitale Betriebsarten (Morsetelegrafie, Funkferschreiben, Multiplexaussendungen) von Militär, Botschaften oder internationalen Organisationen und Sprechfunkverkehr des eben erwähnten Behördenkreises und privaten Funkpiraten in den Betriebsarten SSB (Einseitenbandtechnik), AM (Amplitudenmodulation) und FM (Frequenzmodulation).

Die Bandwacht richtet sich nicht gegen Funkamateure, die z. B. die Bandpläne nicht einhalten oder andere Amateure belästigen oder beleidigen.

W. Justen: Wer sind die Mitglieder der Bandwacht?

DJ9KR:Die Bandwacht ist kein "Club im Club", sondern ihre Mitarbeiter sind lediglich Freunde der Kurzwelle, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, fremde Funkdienste in unseren exklusiven Amateurbändern aufzuspüren und an mich weiterzuleiten. Das müssen auch keine lizenzierte Funkamateure sein. Viele Meldungen betreffend Rundfunksendern auf Amateurfrequenzen erhalte ich von passionierten Rundfunk-DX-ern.
 
 

W. Justen: Was geschieht mit den Meldungen, die du erhältst?

DJ9KR: Ich kontrolliere sie nach, indem ich mich selber an den Empfänger setze und mir z. B. die Harmonische eines Rundfunksenders anhöre. Spektakuläre, also stark störende Bandeindringlinge, melde ich direkt noch während des Andauerns der Aussendung per Fax an die RegTP, den Funkkontrollmeßdienst, in Konstanz. Dort landet das Fax direkt auf dem Meßtisch der Beamten. In der Funkkontrollmeßstelle wiederum werden meine Meldungen ebenfalls überprüft, und von dort aus wird gegebenenfalls die Zentrale der Regulierungsbehörde in Mainz veranlaßt, eine Internationale Beschwerde bei der entsprechenden Fernmeldebehörde des Auslandes einzureichen.

Am Schluß jedes Monats fertige ich eine Aufstellung der von mir selbst gehörten bzw. mir eingesandten Meldungen, es ist die "Summary of Monitoring Reports". Diese Summary geht ebenfalls an die RegTP, an den Koordinator für das Monitoring System der Region 1 Ron Roden, G4GKO, an befreundete Bandwachten und an die Mitglieder der Bandwacht des DARC.
 
 

W. Justen: Welche Erfolge hat die Bandwacht vorzuweisen?

DJ9KR:Nun, nicht jeder Bandeindringling meldet sich bei der Bandwacht an oder ab; doch es mußten in der Vergangenheit z. B. schon eine größere Zahl von Rundfunksendern exklusive Amateurfunkbänder der Funkamateure auf Grund von Beschwerden der Funkamateure wieder verlassen: Ich denke da an Radio Jordanien anfangs des Jahres 1997 auf 7050 kHz, TRT Radio Ankara erst im Dezember des letzten Jahres auf 7100 kHz im 40-m-Band oder die "Stimme des Südlichen Aserbaijan" im 15-m-Band. Die Funkamateure können ja nicht einfach in die Senderhalle eines Rundfunksenders gehen und den Stecker ziehen; ein Rundfunksender verläßt eine Frequenz nur, wenn er dies auf Druck einer oder mehrerer ausländischer Fernmeldeverwaltungen tun muß oder wenn er erkannt hat, daß die Frequenz nichts taugt.

Bei Clandestine-Sendern kennt man häufig nicht einmal den genauen Senderstandort noch ist der Staat bekannt oder bekennt sich dieser zu einem Untergrundsender. Solche Sender sind z. B. die "Stimme der Breiten Massen aus Eritrea" oder die "Stimme des Mujahed", beide im 40-m-Band. Aber sollten wir deshalb unsere Frequenzen den Bandeindringlingen kampflos überlassen? Wenn sich eine Fernmeldebehörde beschwert, dann genügt der Druck bei einer fremden Fernmeldebehörde meist nicht. Beschweren sich jedoch zehn oder zwölf Fernmeldebehörden gleichzeitig, dann führt das eher zum Erfolg. Solche internationale "Combined Actions" abzusprechen, ist die Aufgabe des Regionalen Koordinators jeder Region.

Gerade durch das neue Medium Internet mit e-Mail sind solche Aktionen schnell und effizient abzusprechen und in die Tat umzusetzen. Die Funkamateure müssen nur mitmachen!
 
 








W. Justen: Wie groß ist die Resonanz bei den Funkamateuren, bei der Bandwacht aktiv mitzuarbeiten?

DJ9KR:Sie ist leider nicht sehr groß: Ich habe einen aktiven Stamm von einem guten Dutzend regelmäßiger Mitarbeiter. Etwas mehr Mitarbeiter wären schon noch notwendig. Auf der anderen Seite wäre es für mich unmöglich, den Berichten von sagen wir einmal 200 regelmäßigen Berichterstattern nachzukommen: Diese würden mir sicher auch viel Unsinn in Form von Meldungen die auf z. B. auf mangelhaften Empfängern beruhen, mitteilen. Wie sollte ich die Spreu vom Weizen trennen?

So kenne ich meine "Pappenheimer" und ihre Meldungen und weiß, auf wen ich mich verlassen kann. Andererseits haben alle deutschen Funkamateure, ob Mitglied im DARC oder nicht, die Möglichkeit, mich schnell und zuverlässig per Brief, Fax oder e-Mail zu erreichen, wenn sie z. B. im 40-m-Band einen neuen Rundfunksender entdecken. Bei 70 000 Funkamateuren kann sich kein Sender verstecken, der sich längere Zeit auf einer Amateurfrequenz aufhält.
 
 

W. Justen: Welche Angaben sollte eine Beobachtungsmeldung enthalten?

DJ9KR: Das sind: Frequenz in kHz, Datum und Uhrzeit in UTC, Betriebsart und nähere Angaben zu dem Störer: Rufzeichen (so bekannt), Sprache, Baud-Rate bei Fernschreibern und vor allem natürlich den Namen und die Adresse des Einsenders und das Amateurrufzeichen.
 
 

W. Justen: Wie lange bist du schon bei der Bandwacht?

DJ9KR: Ich bin seit 27 Jahren aktiv bei der Bandwacht und stecke jeden Tag zwei bis drei Stunden in diese Arbeit. Darüber hinaus bin ich sehr aktiver Kurzwellen-DX-er und habe in den 35 Jahren, seit denen ich lizenziert bin, 355 DXCC-Länder in SSB erreicht und bestätigt. Außerdem bin ich auch recht aktiver BCL, bin Mitglied in der adxb-DL, einem BCL-DX-Club und besuche, wenn ich im Ausland bin, gerne Rundfunksender. So habe ich in den vergangenen Jahren Radio Taschkent, Radio Amman und Radio Nepal besucht. Mit Ram Karki, dem Direktor von Radio Nepal, bin ich befreundet, und er hat mich vor einem Jahr hier in Tübingen besucht.

W. Justen: Wie ist die Zusammenarbeit der Bandwacht des DARC mit der RegTP?

DJ9KR: Sie könnte nicht besser sein! Die Beamten der Funkkontrollmeßstelle in Konstanz mit ihrem Leiter Winfried Urra sind sehr bemüht, meinen Meldungen nachzugehen und haben stets ein offenes Ohr für meine Belange. Auf der anderen Seite bemühe ich mich auch, sie von "Kinkerlitzchen" zu verschonen und nur gravierende und lang andauernde Störungen nach Konstanz zu melden. Jedes Jahr treffe ich mich auf der HAM-RADIO in Friedrichshafen mit Herrn Urra, um unsere Vorgehensweisen abzusprechen. Letztes Jahr hatte ich ein Arbeitsgespräch in der Funkkontrollmeßstelle Konstanz.

Ohne RegTP könnte ich alle meine Meldungen vergessen; sie wären für die Katz.
 
 

W. Justen: Ich danke dir für das interessante Gespräch.

DJ9KR: Danke, gerne geschehen!
 
 

Adresse und Email von OM Ulrich Bihlmayer:

Ulrich Bihlmayer
Eichhaldenstr. 35
72074 Tübingen
Fax: 07071-82419
email: dj9kr-monitor@t-online
 

Weitere Informationen und sehr interessante Berichte über Aktivitäten sind auf der Homepage der Bandwacht zu finden:

 http://www.geocities.com/SiliconValley/Lab/9112/bandwacht.html

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