Morse Decoder für die Westentasche
Walter Justen 04/2006
Neben der Bearbeitung von Word oder Excel Dokumenten eignen sich die kleinen tragbaren PocketPCs auch für viele weitere Aufgaben und Anwendungen. Das hier vorgestellte Programm PocketMorse ermöglicht zum Beispiel die Decodierung von Morse Audio Signalen. Da solche PDAs über keinen Audioeingang in Form von "Line in", wie vom Desktop PC bekannt verfügen werden die Signale über das eingebaute Mikrofon aufgenommen. Lauffähig ist die aktuelle Version PocketMorse 1.3a laut Hersteller auf den Betriebssystem Versionen PocketPC 2003 und PocketPC 2002. Unter der neueren Betriebssystem Version 2003 wurde es für diesen Beitrag auf einem HP iPAQ h2210 installiert.

Bild 1: Positionierung des Pocket PC vor dem Lautsprecher
Download und Installation
Erhältlich ist die Software für US$ 5,- beim bekannten PocketPC Software Anbieter PocketGear.com. Die Zahlung kann dort mit Kreditkarte erfolgen, was beim Kauf des Programms für diesen Beitrag problemlos funktionierte. Der Download der Vollversion ist anschließend sofort möglich. PocketMorse kommt als ZIP Archiv und kann mit einem dafür vorgesehenen und zum Beispiel bei Windows XP enthaltenen UnZIP Programm entpackt werden. Zum Vorschein kommt neben einigen Screenshots, der Software Version für den Desktop PC auch die Datei PocketMorse1.3.exe. Diese Datei kann über ActiveSync direkt in den Speicher oder auf ein Dateisystem im PocketPC verschoben werden. Durch einfaches ausführen mit dem PocketPC Datei Explorer wird sie gestartet. Zum Deinstallieren genügt das löschen der genannten Datei. Der Betrieb von einer CompactFlash oder SD-Karte ist ebenso möglich und spart kostbaren RAM Speicher.
Funktion
Ein Blick auf das PocketMorse Display zeigt im oberen Bereich, der gut die Hälfte des Displays einnimmt die Ausgabe der Morse Zeichen als Punkt und Stich, als auch die decodierten Zeichen. Ist ein Wort decodiert kommt es zum Zeilenumbruch und die Ausgabe läuft in der nächsten Zeile weiter. Die Liste der decodierten Wörter kann hier historisch durchgescrollt werden. Darunter befindet sich zwei Zeilen, einmal mit der Textausgabe der dekodierten Wörter in einem Stück und darunter statistische Informationen wie S/N (Signal-Rausch Abstand in dB) oder WPM (Geschwindigkeit in Wörter pro Minute) zur dekodierten Aussendung. Im nächsten Bereich ist das unbearbeitete Signal, wie es vom Mikrofon aufgenommen wird als grüne sowie das bearbeitete und geglättete Signal als rote Zickzack-Linie zu sehen. Durch die rote Linie führt eine gestrichelte gelbe Linie die das Signal aufteilt in den Teil der zur Decodierung verwendet wird (oberhalb der gelben Linie) und den Teil der keine Beachtung findet (unter der Linie). Am unteren Ende schließt die Menüleiste den PocketMorse Display ab. Hier können verschiedene Einstellungen vorgenommen und Aktionen ausgeführt werden. Neben verschiedenen Filtern (250Hz, 500Hz und 1kHz) und Empfindlichkeit kann die Decodierung hier gestoppt, gestartet oder neu kalibriert werden.
Bild 2 + 3: Decodierung des Bergheimer 2m Relais und eines CQ Rufes auf Kurzwelle
Praxis
Hört man ein Morse Signal und startet PocketMorse beginnt dieses mit seiner Kalibrierung die bis zu 30 Sekunden oder auch länger dauern kann. Danach sollte das Programm für die Decodierung des zur hörenden Signals die idealen Einstellungen gefunden haben und in der Ausgabe sollten die ersten "verständlichen" dekodierten Zeichen zu sehen sein. Liegt kein Morse Signal an oder es ist für PocketMorse nicht verständlich, werden auf dem Display Zeichen zu sehen sein die nicht allzu großen Sinn machen. Hier ist dann eine Neu-Kalibrierung nötig. Diese kann entweder über den Menüpunkt Control -> Calibrate oder duch einen Neustart des Programmes erfolgen. Befindet sich die die Spitzen der roten Zickzack-Linie unter der gelben Linie wird die Lautstärke des Morse Signals zu niedrig sein. Über Control -> Increase Sensitivity kann die Empfindlichkeit von PocketMorse für einen solchen Fall erhöht, beziehungsweise bei Übersteuerung mit Control -> Decrease Sensitivity erniedrigt werden. In diesem Zusammenhang sei gesagt, das viele PocketPC Geräte, wie auch der hier verwendete iPAQ über eine Mikrofonverstärkung mit standardmäßig aktivierter automatischer Lautstärkereglung verfügen. Bei Problemen mit der Decodierung in Zusammenhang mit der Signalstärke könnte die Deaktivierung dieser Mikrofonverstärkung ein Ansatzpunkt zur Problembeseitigung sein. Natürlich ist die Decodierung erfolgreicher wenn das Morse Signal störungsfrei zu hören ist. Für eine Besserung bei Störungen können die Bandpass Filter helfen die über Filters hinzugeschaltet werden können. Um später historisch einen Blick auf die decodierten Zeichen werfen zu können verfügt PocketMorse über die Möglichkeit alle Daten in ein Log-Datei zu schreiben, was ebenfalls über den Control Eintrag im Menü aktiviert werden kann.
Nach Angaben der Entwickler kann PocketMorse Signale decodieren die klar empfangen werden. Signale die stark gestört werden, eine Geschwindigkeit von 5 WPM unter und eine Geschwindigkeit von 25 WPM überschreiten machen Probleme. Diese Aussage kann unter Verwendung der hier eingesetzten Hardware grundsätzlich bestätigt werden. Bei klaren Signalen auf UKW zeigt PocketMorse gute Ergebnisse. Schwieriger wird es bei meist stärker gestörten und unter größerem Rauschen aufgenommenen Signalen auf KW. Kommen hier auch noch mehrere Signale auf einer Frequenz zusammen versagt das Programm des öfteren.
Daten zum Versuchsgerät:
PocketMorse ist hier erhältlich:
