DX in der Dämmerungszone (Greyline DX)

Die Schichten der Ionosphäre nehmen, abhängig von der Tageszeit, unterschiedlich Einfluss auf die Ausbreitungsbedingungen der Kurzwelle [1][2]. Am Tag und in der Nacht sind die Verhältnisse relativ klar. Absorbiert tagsüber die D-Schicht niederfrequente elektromagnetische Wellen, können diese durch die Zurückbildung der D-Schicht in der Nacht passieren. Niederfrequente elektromagnetische Wellen werden dann erst an der E oder F-Schicht reflektiert.

Zur Zeit des Sonnenauf- und Sonnenuntergangs ist dies nicht mehr so eindeutig. In der Dämmerungszone, der Übergangszeit zwischen Tag und Nacht, entsteht die D-Schicht erst langsam, beziehungsweise bildet sich Stück für Stück zurück. In dieser Zeit ist es möglich, dass flach einfallende niederfrequente elektromagnetische Wellen weder von der D-Schicht absorbiert noch ohne Beeinflussung durchgelassen werden. In diesem Fall kommt es vor, das das Signal gekrümmt und abgeflacht wird und somit auch in einem flacheren Winkel auf die E oder F-Schicht trifft. Von dort wird das es reflektiert und gelangt ebenso gekrümmt und abgeflacht zum Empfänger.

Wie die vereinfachte Grafik verdeutlichen soll, kann beim ersten Sprung der Raumwelle in der Dämmerungszone bereits eine Entfernung überbrückt werden, die weitaus größer ist, als bei fehlender D-Schicht in der Nacht wenn das Signal an E oder F-Schicht reflektiert wird.

Im Idealfall befinden sich sowohl Empfänger als auch Sender in der Dämmerungszone. Dann ist das Zeitfenster für einen Empfang zwar nur einige Minuten groß, jedoch die größte Entfernung möglich. Befindet sich nur eine Seite in der Dämmerungszone und der komplette Weg der elektromagnetischen Wellen verläuft in der Nachthälfte, sind auch gute Ergebnisse zu erzielen.

In der Praxis wird man Empfangserfolge mit dieser Art der Wellenausbreitung auf Frequenzen unterhalb etwa 5 MHz haben. In einigen Fällen aber auch hoch bis zum 40m Amateurfunkband.

Sonnenaufgang Deutschland 21.03.

Sonnenaufgang Deutschland 21.06.

Wie die Jahreszeit ändert sich auch der Stand der Sonne zur Erde. Somit nimmt der Kalender auch Einfluss auf den Verlauf der Dämmerungszone. Am Tag des Frühlingsanfang, dem 21.03. und am Tag des Herbstanfang, dem 21.09. steht die Sonne genau senkrecht zum Äquator. Und nur an diesen beiden Tagen wird es für Bewohner auf dem gleichen Längengrad zur gleichen Zeit hell und auch zur gleichen Zeit dunkel. An allen anderen Tagen steht die Sonne in einem anderen Winkel zum Äquator und die Dämmerungszone verläuft nicht parallel zu den Längengraden.

Ab dem 21.03. bewegt sich die Sonne langsam bis zu 23 Grad Richtung Norden, bewegt sich ab ca. dem 21.06 zurück und erreicht am 21.09 wieder ihre Position senkrecht zum Äquator. Bis zum 21.12. bewegt sie sich bis zu 23 Grad Richtung Süden. Daraufhin wieder zurück bis sie am 21.03. wieder senkrecht zum Äquator steht. Entsprechend verlagert sich der Verlauf der Dämmerungszone.

Sonnenaufgang Deutschland 21.09.

Sonnenaufgang Deutschland 21.12.

Um das ideale aber nur kurze Zeitfenster zu nutzen ist es eine Voraussetzung zu wissen, wie genau die Dämmerungszone verläuft. Eine erste Hilfe kann eine Auflistung von Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten verschiedener Standorte sein. Der DARC [3] veröffentlicht zum Beispiel in seinen Deutschlandrundspruch regelmäßig “Orientierungszeiten für Gray-Line DX” [4]. Dort sind diese Zeiten für einige Städte enthalten. Für Freunde des IOTA Programms gibt es bei der RSGB [5] eine Webseite die ständig aktuell die Inseln anzeigt die sich gerade in der Dämmerungszone befinden.

Um das Ganze etwas grafisch aufzubereiten, gab es in der Vergangenheit Weltkarten in azimuthaler Darstellung mit Auflagen für unterschiedliche Jahreszeiten. Diese konnten über die Karte bewegt werden und zeigten so den zeitlichen Verlauf der Dämmerungszone. Das bekannteste und von vielen Hobbyfreunden immer noch eingesetzte Hilfsmittel dieser Art war bekannt unter dem Namen “DX Edge”.

>Sonnenuntergang (Azimuthal) Köln Mitte Dezember

Wer es jedoch ganz genau und in Echtzeit haben möchte, kann auf entsprechende Computer Programme zurück greifen. Eine Software die sich in der Praxis bewährt hat und mit der auch die Grafiken in diesem Beitrag erstellt wurden ist “DX-Atlas” [6] von VE3NEA.

Da der Begriff “Greyline DX” des öfteren zu Missverständnissen führt, eine kurze Erklärung: “Greyline” (graue Linie) trifft die Sache nicht ganz, da es sich bei dem besprochenen Bereich nicht um eine Linie, sondern um ein breites Band handelt das über der Erde liegt. Wirklich Grau ist dieser Bereich auch nicht. Jedoch hat sich “Greyline DX” in Hobbykreisen eingebürgert. Das auch des öfteren “Gray” anstelle von “Grey” vorzufinden ist liegt daran, das der eine Begriff aus dem amerikanischen und der andere aus dem britischen Englisch stammt.

Ab und an findet man auch “Twilight DX” oder “DX in the Twilightzone”. Beides ist eigentlich eher zutreffend (Twilight = Dämmerung).

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