Mit den durch Funkamateure errichteten Baken im NCDXF/IARU Netzwerk stehen verteilt auf allen Kontinenten Sender zur Verfügung, die regelmäßig und rund um die Uhr ihre Kennung ausstrahlen. Durch die Beobachtung dieser Baken können Ausbreitungsbedingungen auf Kurzwelle in verschiedene Richtungen in Echtzeit nachvollzogen und miterlebt werden. Eigene Empfangsversuche anderer Stationen in entsprechenden Gebieten können dadurch planvoller und somit meist erfolgreicher gestaltet werden.
Das Netzwerk
Nach einigen eigenen Projekten betreiben die NCDXF (Nothern California DX Foundation) [1] und die IARU (International Amateur Radio Union) [2] gemeinsam ein Netzwerk von HF Baken, verteilt über alle Kontinente und jeweils aktiv auf 5 Kurzwellen Bändern. Mit der Auslieferung dieser neuen 5 Band Baken wurde 1995 begonnen, 18 Baken an verschiedenen Standort sind heute aktiv.

Weltkarte mit den Positionen der Baken in azimutaler Darstellung mit Köln als Mittelpunkt
Betrieben werden die Baken jeweils an einer Vertikalantenne von Cushcraft, womit auch eine entsprechende Rundstrahlungscharakteristik gewährleistet ist. Als Tranceiver wurden Kenwood TS-50S installiert, der Zeitabgleich erfolgt über GPS (Global Position System) Empfänger. Anschaffungskosten wurden teilweise von Herstellern der Geräte übernommen. So stiftete unter anderem Kenwood die ersten eingesetzten Transceiver und Cushcraft die Antennen. Laufende Unterhaltskosten für das Netzwerk werden überwiegend durch Spenden gedeckt.
Jede Backe sendet alle 3 Minuten auf einer Frequenz. Gesendet wird in Morsecode das Baken-Rufzeichen mit 22 wpm (Words per minute / Wörter pro Minute) gefolgt von 4 jeweils eine Sekunde langen “Strichen”. Das Rufzeichen und der erster “Strich” werden mit 100 Watt gesendet, der zweite “Strich” mit 10 Watt, die beiden folgenden jeweils mit 1 W und 0.1 W. Alle 10 Sekunden ist eine andere Bake aktiv.

Sendeplan der Baken
Der Tabelle ist neben Rufzeichen und Standort zu entnehme welche Bake auf welcher Frequenz mit der Aussendung wann beginnt. Zu sehen sind die vollen Minuten in einer Stunde. So beginnt auf 21.150 kHz zu einer vollen Stunde OA4B, 10 Sekunden später sendet auf dieser Frequenz YV5B usw. In der zweiten Minute der Stunde wäre folglich ZS6DN auf dieser Frequenz aktiv. In der dritten Minute startet OA4B erneut mit dem drei Minuten Zyklus. Die eingetragenen Kilometer (km) entsprechen der ungefähren Entfernung ab Köln zur jeweiligen Bake.
Besonders die Aussendungen auf 14.100 kHz dürften für viele Hobbykollegen von großem Interesse sein. Leider sind gerade diese in der Praxis oft sehr schwer zu empfangen. Die für die Baken reservierte Frequenz liegt zwischen den Digimode Bereichen des 20m Bandes und wird leider sehr oft und sehr stark von dortigen Aussendungen gestört.
Generell sollte man bei Empfangsversuchen der Baken deren Ausgangsleistung, vor allem bei den letzten “Strichen”, und die verwendeten nicht gerichteten Antennen in die richtige Relation zum Equipment von Rundfunkstationen oder manchem Funkamateur setzen. Aber vor allem dies kann die Baken zur Beobachtung von Ausbreitungsbedingungen so interessant machen.
Hilfsmittel
Um die Baken und ihre kurzen Aussendungen optimal zu nutzen sind verschiedene Programme erhältlich. Zwei solcher kleinen Helfer stellen wir kurz vor. Im Voraus sei darauf hingewiesen das der Einsatz solcher Software nur Sinn macht wenn die Uhr auf dem entsprechenden PC auch ganz genau geht.
BeaconClock
Nachdem in BeaconClock [3] die Daten zum eigenen Standort (Position und Abstand zur UTC) eingestellt sind zeigt es die Daten zu den Aussendungen der zuletzt aktiven, gerade aktiven und die nächsten drei aktiven Baken für eine ausgewählte Frequenz an. Neben dem Rufzeichen ist die Richtung zur Bake sowohl für den kurzen (Short-Path) als auch den langen Weg (Long-Path) angegeben. Ebenso zeigt es die Entfernung zur jeweiligen Bake über den kurzen Weg. BeaconClock ist eine kleine Hilfe die den ständigen Blick in den Sendeplan erspart. Möchte man mehrere Frequenzen gleichzeitig beobachten ist es möglich mit mehreren Instanzen von BeaconClock zu arbeiten. Dazu das Programm einfach mehrmals starten. BeaconClock ist Freeware.

Screenshot BeaconClock
BeaconSee
Durch die Verbindung des Empfänger NF-Ausgangs mit einer Soundkarte im PC bietet BeaconSee [4] eine Überwachen der Baken Frequenzen und die Analyse des Empfangs. Dies wird dann grafisch der Signalstärke entsprechend aufgezeichnet beziehungsweise angezeigt. Auf dem Screenshot ist zu sehen wie der Empfang von OH2B (helle Fläche in der entsprechenden Spalte) auf 14.100 kHz über einen Zeitraum von ca. 30 Minuten aussehen könnte. Die Möglichkeit der Steuerung einiger Empfängermodelle über die serielle Schnittstelle ist ebenfalls enthalten. BeaconSee ist frei verfügbar. Jedoch erhält man den vollen Funktionsumfang erst nach einer Registration und der Zahlung von EUR 25,00.

Screenshot BeaconSee
Neben solchen speziell für die Arbeit mit Baken geschrieben Anwendungen, bringen auch einige Programme “Plug-Ins” mit. Genannt seien hier als Vertreter das Digital-Mode Multitalent MixW, mit einer Tabellendarstellung des Baken Sendeschemas und die DX Cluster Software DX Monitor, die die sendete Bake auch auf einer Weltkarte grafisch darstellt kann.
Literatur:
- Jahrbuch für den Funkamateur 2006. Hans Schwarz, DK5JI. DARC Verlag
- Funk-Baken und Indikatorstationen. Gerd Klawitter. Siebel Verlag. ISBN: 3-89632-055-6.
Links:
- [1] NCDXF (Nothern California DX Foundation) http://www.ncdxf.org
- [2] IARU (International Amateur Radio Union) http://www.iaru.org/
- [3] BeaconClock http://www.huntting.com/beaconclock/index.html
- [4] BeaconSee http://sapp.telepac.pt/coaa/beaconsee.htm
- [5] MixW http://www.mixw.de/
- [6] DX Monitor http://www.benlo.com/dxmon.html
Weitere Beiträge im VFO-Magazin mit ähnlichen Themen:
- Bake LN2A. Markus Tillmann 03/2000
- Empfangs von NDB’s. Markus Tillmann 01/1999