Antarktis – DX zum ewigen Eis

Im Februar 2006 wurde die Antarktis verstärkt in das Bewusstsein der DXer gerufen. Viel Aufsehen erregte die seit langer Zeit geplante und kostspielige DXpedition zur Peter I Insel. Weitere Aktivitäten in diesen Tagen war die “Antarctic Activity Week 2006″ oder der Betrieb ukrainischer Sonderstationen zum 10. Jahrestag der “Ukrainia Akademik Vernadsky Base”. Aber auch abseits solcher Veranstaltungen erlauben wissenschaftliche und militärische Antarktis Stationen, dank dort stationierter Funkamateure, den Empfang dieses Kontinents.

Leben im ewigen Eis

Ein Kontinent größer als Europa und ab 1820 stückweise erschlossen. Die politische Lage regelt der 1959 geschlossene Antarktisvertrag, der festlegt das das Gebiet südlich dem 60. Breiten-Grad nur friedlicher und besonders wissenschaftlicher Nutzung vorbehalten ist. Militärische Versuche oder Rohstoffabbau wurden untersagt.

Unterschrieben haben den erste Antarktisvertrag die Staaten Argentinien, Australien, Belgien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Japan, Neuseeland, Norwegen Sowjetunion, Südafrika und USA. Im Laufe der Jahre folgten noch über 30 weitere Staaten, wie auch 1979 unter anderem Deutschland. Die Mehrheit dieser Länder erhebt auch Gebietsansprüche in der Antarktis, die durch verschiedene geschichtliche Vorkommnisse und Ereignisse begründet werden.

Größtenteils ohne Sonne erlebt man in der Antarktis den Winter, der durch den Sommer von Oktober bis März unterbrochen wird. Viele Forschungsstationen sind in dieser “Polarnacht” völlig geschlossen oder nur mit einer Notmannschaft besetzt. Oft werden auch zum Saison, beziehungsweise Jahreszeitenwechsel die Stationsmitglieder ausgetauscht. Zur Kommunikation werden Satelliten gestützte Systeme und kommerzielle HF Technik eingesetzt. Einige Stationen verfügen zusätzlich über Amateufunkanlagen, die es dort stationierten Funkamateuren erlauben, auch auf diesem Wege in Kontakt mit der Außenwelt zu treten.

Nicht selten werden Amateurfunkstationen auch erst errichtet, weil ein Funkamateur dort stationiert und auf eigene Initiative diesbezüglich aktiv wurde. Trotz deren Engagement sollte nicht vergessen werden, dass es sich überwiegend um Wissenschaftler oder andere Forschungsteam Mitglieder handelt. Diese befinden sich dort vor Ort um eine tägliche Aufgabe zu erledigen, die meist mehr Zeit umfasst als ein normaler Job. Freizeit ist daher ein kostbares und vor allem im dortigen Sommer ein sehr seltenes Gut. Im dortigen Winter kann das Funk Hobby hingegen auch einen willkommenen Zeitvertreib darstellen.

Im folgenden einige Informationen zu einer kleinen Auswahl von Antarktis Stationen und zur Vollständigkeit einige Daten zur DXpedition auf Peter I. Diese Informationen sollen einen kleinen Einblick in das Thema Amateurfunk aus der Antarktis geben.

QSL Karte der DXpedition zur Peter I Insel

Peter I Insel

3Y – Norwegen, 68″50′S, 90″35′W / DXpedition, aktiv vom 08.02-19.02.2006

Die Insel wurde zum ersten mal 1821 von Fabian von Bellingshausen entdeckt und auf den Namen des russischen Zaren Peter des Großen getauft. Die erste erfolgreiche Landung gelang Ola Olstad 1929, woraus sich die Gebietsansprüche Norwegens ergeben. Bereits in den Jahren 1987 (3Y1EE / 3Y2GV) und 1994 (3Y0PI) erfolgte eine DXpedition auf die Insel. Nach langer Planung und mehrfachem verschieben des Starttermins, gelang es erneut einer Gruppe von Funkamateuren aus verschiedenen Ländern im Februar 2006 unter 3Y0X [1] von Peter I aktiv zu werden. In den 12 Tagen die das Team aktiv war wurden 86888 Verbindungen geloggt.

Neumayer Station

DP – Deutschland, 70″39´S, 08″15´W / geöffnet ganzjährig, seit 1981

Benannt nach dem bedeutenden Förderer der deutschen Südpolarforschung Georg von Neumayer wurde diese Station im Jahre 1981 errichtet. 1992 wurde der Neubau des Stationsgebäudes notwendig und die neue Neumayer Station [2] 10km vom alten Standort fertig gestellt. Die Station bleibt ganzjährig geöffnet, verfügt jedoch im Winter über eine kleinere Belegschaft.

Die letzte Aktivierung dieser Station unter dem Rufzeichen DP0GVN wurde von Torsten DD1TG durchgeführt. Torsten ist Geophysiker und war im Auftrag der BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) Seismic Data Analysis Center auf der Station. Sein Besuch auf der Neumayer Station endete vor Anfang des Winters und er ist seit Januar 2006 nicht mehr von dort aktiv. DP0GVN wurde immer regelmäßig aktiviert und ab November wird voraussichtlich Mirko DG9BHQ zu hören sein.

Davis Station

VK – Australien, 68″35′S, 77″58′O / geöffnet ganzjährig, seit 1957 (zwischen 1964 und 1969 unbesetzt)

Südlichste australische Antarktis Station, die im Sommer zwischen 70 und 80 Bewohnern beherbergt. Im Winter wir die Belegschaft auf 20 bis 25 Mitarbeitern herab gesetzt. Die Gebäude liegen nur knapp 100m von der Küste entfernt. Davis dienst auch als Anlaufstelle um andere Stationen und Gegenden zu erreichen und zu versorgen.

Es gibt oft und viele Aktivitäten von der Davis Station [3]. Greg VK0SEE der bis März zu einem Kurzbesuch vor Ort war, machte Betrieb auf dem 20m Band. Bis einschließlich Dezember 2006 werden noch Graham VK0AG und Paul VK0JLX aktiv sein. Beobachtungen auf den Frequenzen zwischen 14.180 kHz und 14.210 kHz könnten sich lohnen. Im Oktober berichtete Paul VK0JLX, das er Europa am besten gegen 10.00 UTC auf dem 20m Band arbeiten könne. Dies wird sich voraussichtlich jedoch in den nächsten Wochen wieder ändern, da der Sommer in der Antarktis Einzug hält.

Rothera Station

VP – Grossbritanien, 67″34′S, 68″08′W / geöffnet ganzjährig, seit 1975

Die Rothera Station [4] ersetzte die von 1961 bis 1977 geöffnete Adelaide Station. Sie ist heute das Logistikzentrum des BAS (British Antarctic Survey) und beherbergt gut ausgerüstete Biologielaboratorien. Stationiert sind im Sommer bis zu 130 Mitglieder. Im Winter gibt es nur eine Notbesetzung.

Zur Zeit aktiv von dort ist Michael VP8DJB. Er ist Kommunikations Manager auf der Station und bis März 2007 vor Ort. Im dortigen Sommer verläuft, nach eigenen Angaben, sein Arbeitstag von 07.00 bis 21.00 lokale Zeit (10.00-00.00 UTC), 7 Tage die Woche. In der Winterzeit war er des öfteren gegen 19.00 UTC auf dem 20m Band und zu letzt vermehrt innerhalb des Antarctica-Net auf 14315 kHz in Europa zu hören.

Terra Nova / Mario Zucchelli Station

I – Italien, 74″4′S, 164″07′O / geöffnet nur im Sommer, seit 1985

Diese Station trug bis 2004 den Namen Terra Nova, wurde jedoch umbenannt nach dem verstorbenen Gründer Mario Zucchelli.

Bis zum Winteranfang war Carlo, II0AMZS (IK5DHM/ANT) sehr aktiv von dieser Station. Da Terra Nova den kompletten Winter geschlossen ist, hat auch Carlo, wie die anderen Stationsmitglieder die Antarktis mit dem Polar-Schiff Italica im Februar 2006 Richtung Neuseeland verlassen. II0AMZS war vor allem auf 14280 kHz zu hören. Für die Aktivierung dieser Station im kommenden Sommer sollte daher vor allem diese Frequenz im Auge behalten werden.

San Martin Basis

LU – Argentinien, 68″07′S, 67″06′W / geöffnet ganzjährig, seit 1951

Benannt nach General José de San Martín ist dies eine Basis des argentinischen Militärs. Meist ist die San Martin Basis [5] durch 18 bis 20 Mitgliedern besetzt.

Gustavo LU1ZD war im dortigen Winter sehr aktiv. Er nahm regelmäßig am samstäglichen Antarctic-Net, geführt von LU4DXU auf 14.290 kHz teil.

Esperanza Basis

LU-Argentinien, 63″24′S, 56″59′W / geöffnet ganzjährig, seit 1975

Die Esperanza Basis [6] ist in zweierlei Hinsicht etwas besonderes. Zum einen kam 1978 der erste in der Antarktis geborene Mensch dort zu Welt und zum anderen sendet von dieser Basis mit “LRA 36 Radio Nacional Arcangel San Gabriel” die einzige Radio Station aus der Antarktis. Es handelt sich ebenfalls um eine Basis des argentinischen Militärs.

Sehr selten ist LU1ZV von hier zu hören. Im Oktober war dies im 15m Band der Fall. Darüber hinaus sollte für Empfangsversuche das samstägliche Antarctic-Net, geführt von LU4DXU auf 14.290 kHz beobachtet werden.

Bellingshausen Station

R-Russland, 62″12′S, 58″58′W / geöffnet ganzjährig, seit 1968

Benannt nach dem russischen Seefahrer Fabian Gottlieb von Bellingshausen dient diese Station als Anlaufpunkt für viele Schiffe auf ihrer Reise durch die Antarktis. So war die Bellingshausen Station auch Hauptdepot für die dortige russische Fischerei Flotte. Stationiert sind in der Regel um die 25 Bewohner.

Amateurfunk findet unter dem Rufzeichen R1ANF regelmäßig von der Bellingshausen Station statt. Meist auch in den Abendstunden auf dem 20m Band. Auf ihrer Rückreise von der Peter I Insel war auch das 3Y0X Team im März 2006 kurz von dort zu hören.

Novolazarevskaya Station

R-Russland, 70″46′S, 11″52′O / geöffnet ganzjährig, seit 1961

Im Sommer beherbergt die Station bis zu 70 Mitgliedern. Im Winter ist auch hier nur eine Notbesetzung zu finden.

Vlady war unter dem Rufzeichen R1ANN bis zum März 2006 von dieser Station aktiv. Ab November sind neue Aktivitäten unter diesem Rufzeichen zu erwarten.

Amundsen-Scott Südpol Station

K-USA, 90″00′S, 00″00′O / geöffnet ganzjährig, seit 1956

Die Amundsen-Scott Südpol Station wurde benannt nach den Südpolforschern Roald Amundsen und Robert Falcon Scott. Sie befindet sich direkt am Südpol auf einer Höhe von 2835 Metern. In den letzten Jahren wurde eine neue Station errichtet, die Stück für Stück in Betrieb genommen wird. Ist der Umzug in die neue Station vollzogen, sollen die alten Gebäude abgerissen werden.

KC4AAA ist von der Amudsen-Scott Station regelmäßig zu hören.

Eingangstor und Antennen an der Amundsen-Scott Südpol Station / Photos: NOAA US Department

Scott Basis

ZL-Neuseeland, 77″51′S, 166″45′O / geöffnet ganzjährig, seit 1957

Sind zu Spitzenzeiten 85 Personen auf der Scott Basis [7] stationiert können es im dortigen Winter auch mal nur 10 sein. Im Jahre 1957 eröffnet, feiert man auf der Station im Jahr 2007 das 50 jährige Stations-Jubiläum [8].

Im letzten antarktischen Sommer war von dort Bede ZL5KX aktiv. Welche Aktivitäten im kommenden Sommer von dort zu hören sein werden bleibt abzuwarten.

Mailinglisten, DX Cluster und DX Netzwerke

Um aktuelle Empfangsdaten zu bekommen ist ein Blick in entsprechende Mailinglisten und DX Cluster unerlässlich. Es werden auch regelmäßig DX Netzwerke, wie das erwähnte Antarctic-Net mit Stationen der Antarktis organisiert um anderen Funkamateuren die Gelegenheit zu geben diese Station zu arbeiten. Zu empfehlen ist neben der Antarctica HAM Info List [9] von F5NOD die Webseite des World Wide Antarctic Program [10]. Werden auf der Info Liste auch DX Netzwerke angekündigt, findet man auf den Webseiten neben Newslettern auch Informationen zu Diplomprogrammen rund um die Antarktis.

Viele Stationsmitglieder, die nicht das ganze Jahr in der Antarktis sind, werden bereits während ihrer Reise dorthin von einem Schiff aktiv. So ergeben sich schon einige Wochen vor dem Sommer Empfangschancen dieser Funkamateure.

Links:

Comments are closed.