Fernsteuerung von Empfängern und Transceivern mit PC

Wer im Besitz eines Empfängers oder Transceivers mit RS-232-Schnittstelle ist und außerdem noch einen PC sein Eigen nennt, hat sicher schon darüber nachgedacht, diese zwecks Fernsteuerung oder Kontrolle von der Tastatur aus miteinander zu verbinden.

Obwohl es mittlerweile unzählige, auf Empfänger-bzw. Transceivertyp zugeschnittene Software gibt, mag es vielleicht doch einmal interessant sein, auf eine Einfachlösung zurückgreifen zu können. Insbesondere der Einsteiger kann so erste Erfahrungen mit der Handhabung der Schnittstelle und nicht zuletzt mit dem Empfänger machen.

Die Art der Verbindungskabel richtet sich nach der Art der vorhandenen Buchsen seitens des PC und des anzuschließenden Gerätes. PC-seitig sind es 9-oder 25 polige Sub-D Buchsen. Auf der Empfängerseite sind es meist ebenfalls Sub-D Buchsen, aber auch von der einfachen Klinkenbuchse wie beim HF-150 von Lowe bishin zur DIN-Buchse wie beim AOR-7030. Die Stiftbelegung muß den Handbüchern entnommen werden, hierbei gibt es keine Norm (Eine Auswahl ist in der Tabelle aufgeführt).

Zur Unterdrückung von hausgemachten Störungen sei noch auf die Verwendung von abgeschirmten Computerkabeln hingewiesen. Aber Achtung: Die Abschirmung sollte nur auf einer Seite (möglichst der Seite des größten Störers, meist der PC) an der Buchse geerdet werden.

Die Schnittstelle des PC wird über ein Terminalprogramm angesprochen, entweder von den speziellen, auf Empfänger zugeschnittenen Kontrollprogrammen, oder über solche, die zur allgemeinen Datenkommunikation mit Modem geschaffen sind. Um die Benutzung letzt genannter soll es hier gehen.

Jeder Empfänger benötigt seine spezifischen Befehlswörter, die er über seine Schnittstelle empfangen muss, um die Funktion auszuführen. Dazu gehören vorallem die Einstellungen wie Frequenz, Betriebsart, Bandbreite, AGC, Scannfunktionen etc. Diese Befehle lassen sich über ein Terminalprogramm eingeben und zum Empfänger senden, so, wie es die Rückmeldungen und evtl. Messwerte (S-Meter) vom Empfänger wieder empfängt und darstellt.

Mit Windows 3.x verschwand seinerzeit die Programmbeigabe ,,Terminal”. Sie war für unseren Zweck hervorragend geeignet. Zum einen aufgrund der Einfachheit, besonders aber wegen der Möglichkeit, Sendebefehle auf sogenannten Funktionsbottoms abzulegen, um damit den Empfänger wie mit Knöpfen zu bedienen.

Mit den Internet-Browsern und Fax-Software sind die herkömmlichen Terminalprogramme regelrecht aus der Mode gekommen. Die modemspezifischen Einstellungen werden bei der Installation weitgehendst automatisch durchgeführt, so dass der Anwender den Durchblick bezüglich der Modem-Parameter verliert.

Zu DOS-Zeiten war das Angebot an Terminalprogrammen groß. Vielleicht schlummert ein Solches noch in irgend einer Diskettenbox. Unter Windows wird die Verwendung von DOS-Programmen aber nicht immer leicht gemacht. Zu schnell gibt es Zugriffskonflikte auf die Schnittstelle zwischen DOS und Windows. Im Zweifelsfalle läuft aber auch das ,,Terminal” von Windows 3.x unter WIN95/98 ohne solche Probleme.

Um einen Empfänger steuern zu können, müssen erst einmal die Übertragungsparameter zwischen PC und Gerät abgestimmt werden. Dazu wird im Terminalprogramm der Menüpunkt ,,Datenübertragung” aufgerufen, um hierin die Parameter einzugeben, die der Empfänger benötigt. Dazu zählt die Übertragungsrate in Baud, die Angabe der Anzahlen von Start,- Daten,- Parity,- und Stoppbits sowie die COM-Schnittstelle, über die die Verbindung hergestellt werden soll.

Beispiele für einige Empfänger:
NRD-535: 4800 Baud, 1 Startbit, 8 Datenbits, kein Parity-Bit, 1 Stopbit
AR3000-A: 4800 Baud, 1 Startbit, 8 Datenbits, kein Parity-Bit, 2 Stopbits
AR3030: 4800/9600Baud, 8 Datenbits, kein Parity-Bit, 2 Stopbits, keine X-Parameter
AR7030: 1200Baud
HF-150: 1200 Baud, 1 Startbit, 8 Datenbits, kein Parity Bit, 1 oder 2 Stopbit
Drake R8: 9600 Baud, kein Parity Bit, 8 Databits, 1 Stopbit

Tabelle:

Empfänger Empfänger- 9 polig 25 polig
buchse Sub-D Sub-D
NRD-535: FG 1 FG 1
TxData 2 RxData 3
RxData 3 TxData 2
RTS 4 CTS 5
- - RTS 4
- - ER 20
Ground 7 Ground 7
- - CD 8
ER 20 DR 6
AR3000-A: Ground 1 5 7
TxData 2 3 2
RxData 3 2 3
RTS 4 7 4
CTS 5 8 5
Remote 7
AR3030: RxData 2 2 3
TxData 3 3 2
Ground 5 5 1, 7
RTS 7 7 4
CTS 8 8 5
AR5000: RxData 2 2 3
TxData 3 3 2
Ground 5 5 7
RTS 7 7 4
CTS 8 8 5
AR7030: RxData 2 3 2
TxData 3 2 3
Ground 5 5 7
HF-150: RxData 2 2
Ground 5 7
Drake R8A: Scan Feedback 1 1 8
RxData 2 2 3
TxData 3 3 2
Ground 5, 9 5, 9 7, 22

Die Wahl der Terminal-Emulation wirkt sich nicht auf die Übertragung, sondern nur auf die Darstellung auf dem Bildschirm aus. Empfehlenswert ist ,,TTY”.

Die angeschlossenen Geräte treten nun auf verschiedene Weise mit dem PC in Verbindung. Beim AR3000-A wird einfach der Schiebeschalter auf der Rückseite betätigt und schon erscheint im Editor des Terminalprogramms eine Meldung zur Verbindungsbestätigung, wärend am Gerät der Hinweis ,,RMT” erscheint. Der NRD-535 erwartet dagegen den Befehl ,,H1″, der einfach in den Editor eingegeben und mit ENTER bestätigt wird (Beendigung der Verbindung = ,,H0″) Dies wird am Gerät mit ,,Remote” gekennzeichnet. Der HF-150 ist, wenn er angeschlossen ist, permanent in Verbindung. Wärend alle mir bekannten Empfänger Rückmeldungen an den PC senden (und deswegen z.B. auch S-Meterwerte ausgeben können, ist dies beim HF-150 nicht der Fall. Er ist nur Befehlsempfänger, ein S-Meter besitzt er ja ohnehin nicht.

Alle weiteren und möglichen Befehle werden dann in den Editor eingegeben. Die Befehlssätze sind den Manuals zu entnehmen, beim HF-150 sind sie erst mit der Anleitung zum Zusatzstecker IF-150 verfügbar.

So unkomfortabel die Steuerung über ein ,,simples” Terminalprogramm erscheinen mag, gibt es trotzdem auch überraschende Eigenschaften. Eine Besonderheit ist die, dass man Befehle verknüpfen und somit übliche Eingabekombinationen zusammenfassen kann. So gibt es typische Kombinationen wie etwa für die Betriebsart

AM: Frequenzraster 5kHz, AGC ,,slow” und Filter ,,wide”
SSB: Frequenzraster 100Hz, AGC ,,off” und Filter ,,narrow”

Je nach Geschick lassen sich auch Ausgaben wie z.B. S-Meterwerte laufend darstellen oder einfach eine ganze Sitzung mit allen Hinweisen auf Signalstärke, Speicherstatus, Uhrzeit Frequenz und mehr aufzeichnen und als in jeder Weise weiter verarbeitbare ASCII-Datei abspeichern.

Bei ,,Terminal” aus WIN 3.x werden z.B. alle Befehle mit ,,^m” abgeschlossen. Reiht man verschiedene Befehle mit ,,^m” ohne Leerzeichen aneinander, so werden all diese Befehl in einem Rutsch übertragen.

Je nach Terminalrogramm können die Abschlussbefehle variieren, meist lassen sie sich in den Grundeinstellungen aber vereinbaren.

Die entsprechenden Befehle oder Befehlsketten werden in den Terminalprogrammen im Telefonregister als Telefonnummer hinterlegt und mit einem Namen bezeichnet, der eine eindeutige Aussage hat, wie z.B. eine bestimmte Betriebsarten oder in Form von Stationsregister mit den entsprechenden Stationsnamen. Gerade hier lassen sich starke Vereinfachungen durch Befehlsketten erzielen, so dass mit einem Klick alle Einstellungen passend zur Station eingestellt sind. Sofern man alle gebräuchlichen Befehle auf diese Weise vorprogrammiert hat, erübrigt sich weitgehend das Auswendiglernen des Befehlsschatzes. Tut man es doch, wird man den Empfänger eher schneller und umfangreicher bedienen können als mit der Hand oder einem speziellen Kontrollprogramm.

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