Statistische Auswertung von S-Meter-Werten

Die Beurteilung eines Empfangsergebnisses geschieht auf verschiedenste Weise. Bekannt ist z.B. die SINFO-Beurteilung, die die Signalstärke, Interferenzen, künstliche Störungen und das Fading mit einer anschließenden Gesamtbeurteilung mit dem Werten 1 – 5 bewertet. Hierbei erfolgt die Beurteilung vom Hörer subjektiv. Insbesondere die Signalstärke lässt sich aber nur schwer subjektiv ermitteln, sodass, sofern vorhanden, das S-Meter zurate gezogen wird. Aber wärend dieses schon nicht mit absoluten Werten von 1 – 5 dienen kann, ist es auch sonst nicht eindeutig interpretierbar.
Dabei lassen wir mal unberücksichtigt, dass es bauartbedingt nicht linear arbeitet oder nicht korrekt geeicht sein könnte (S9 = 50µV). Genau genommen sind ohne die v.g. Vorraussetzungen nur Realativangaben machbar und lassen einen Vergleich verschiedener Empfänger garnicht zu. Somit beziehen sich die folgenden Ausführungen streng nur auf einen Empfänger.

Wärend die S-Stufen einen Signalabstand von 6dB Eingangsspannung beschreiben, sind die +dB-Angaben oberhalb von S9 konkret angegeben, meist in 10dB-Schritten. Daraus ergibt sich ein anderer Maßstab für den oberen Bereich, dem ein Meßinstrument nicht Rechnung trägt.
Hinderlich wird das, wenn beispielsweise statistische Aussagen über die durchschnittliche Signalstärke oder eine Übertragung auf die SINFO-Bewertung von 1 – 5 erfolgen soll.
Dazu ist ein gemeinsamer Maßstab notwendig. Um den Begriff der S-Stufen beibehalten zu können, reduziert man die S+dB-Stufen auf den 6dB-Abstand der S-Stufen 1 – 9 in der Form:

Dezimaler S-Wert = ( +dB-Wert : 6 ) + 9

Beispiel:
Abgelesener Wert: S9+25dB
25dB : 6   = 4,17
S9 + 4,17   = 13,17

Der dezimale S-Wert 13,17 steht damit im richtigen Verhältnis zur S-Meter-Skala.

Die Tabelle zeigt die Bewertungsgrößen:

S-Wert Spannung S-Wert dezimal (S)INFO
S9+60dB 50mV 19 5
S9+50dB 16mV 17,3 5
S9+40dB 5mV 15,7 4
S9+30dB 1,6mV 14 4
S9+20dB 500µV 12,3 4
S9+10dB 160µV 10,7 3
S9 50µV 9 3
S8 25µV 8 3
S7 12µV 7 2
S6 6µV 6 2
S5 3µV 5 2
S4 1,5µV 4 2
S3 0,8µV 3 1
S2 0,4µV 2 1
S1 0,2µV 1 1

Wie die Tabelle bereits zeigt, bieten sich die dezimalen S-Werte auch als Referenz für eine Einteilung der (S)INFO-Werte 1 – 5 an. Ausgehend vom Maximalwert von S19 dez. bei S9+60dB ergeben sich bei 5 (S)INFO-Stufen für jede ein Bereich von S 3,8. Die Aufteilung in der Tabelle ist also grob gerundet. Der Einwand, die (S)INFO-Werte seinen zu niedrig angesetzt, z.B. sei S9+10dB höher als mit 3 zu bewerten, oder S3 höher als mit 1, mag subjektiv verständlich sein. Allerdings gibt es zur Beurteilung des Signals ja noch die anderen Kriterien bis hin zur Gesamtbeurteilung. Und man ist sich auch einig, dass die Gesamtbewertung durchaus höher als die Bewertung der Signalstärke ausfallen darf, was hingegen nicht für die Beurteilung der Störungen gilt.

Ist eine Mittelung von Empfangsergebnissen gewünscht, z.B. zur Beurteilung der durchschnittlichen Empfangsstärke eines Jahres oder zum Vergleich mit anderen Standorten, so lassen sich mittels des dezimalen S-Wertes auch die +dB-Werte in die Berechnung einbeziehen. Den arithmetischen Mittelwert der Signalstärke erhält man dann, indem die Summe aller S-Werte durch deren Anzahl dividiert wird.

Auch für den Vergleich des Gewinnes von zwei Antennen lassen sich die dezimalen S-Werte verwenden. Zum Vergleich wird deren Differenz mit 6dB multipliziert. Daraus ergibt sich der Gewinnvorteil der einen zur anderen Antenne.

Beispiel:
Antenne 1:  empfängt mit S9+30dB = S14 dez.,
Antenne 2:   empfängt mit S9+10dB = S10,7 dez..
Differenz:  S3,3
Gewinnunterschied: S3,3 x 6dB = 19,8dB zugunsten der Antenne 1.

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