GMDSS – Was bedeutet die Kurzwelle noch für den Seefunk

GMDSS bedeutet ,,Globale Maritime Distress and Safety System”. Damit wurde seit 1.2.1999 ein automatisches Notrufsystem endgültig eingeführt, dessen Ausrüstung für Schiffe ab 300BRT auf internationalen Gewässern Pflicht ist. Außerdem ist es geeignet, sich in Telefon-Landnetze einzuwählen. Damit ersetzt es den klassischen Seefunk mit den Küstenfunkstellen als Schnittstelle zwischen Schiff und Land. Die manuelle Hörbereitschaft, sowohl seitens der Schiffe als auch der Küstenfunkstellen wurde damit überflüssig. Wohlbemerkt, die ,,Hör”bereitschaft. Es hat sich dahingehend geändert, dass eine Bereitschaft auf automatisch einlaufende Meldungen gewährleistet sein muss.
Im Grunde bedient sich das GMDSS allen gängigen Übertragungsmedien, das sind Satelliten (INMARSAT, SAR-SAT), Grenzwelle (GW), Kurzwelle (KW) und Ultrakurzwellen (UKW). Darüber wird MMSI (Maritime Mobile Service Identiy), ein eigens dafür geschaffener Adressformalismus eingesetzt, der mittels DSC (Digital Selektiv Calling) individuelle Schiffskennungen an die Rettungsleitstelle übermittelt. Auf diese Art ist es möglich, einem Notruf neben der Position, Zeit und Notursache auch das konkrete Schiff zuzuordnen. Dabei ist es Sinn und Zweck, einen Notruf weitgehend automatisch, per Knopfdruck, ablaufen zu lassen.
Anhand der Ausrüstungspflichten lässt sich ersehen, welche Technik und somit Frequenzbereiche eingesetzt werden. Dazu wurden Seegebiete mit den Bezeichnungen A1 bis A4 bestimmt, mit denen verschiedene Ausrüstungsstände mindestens verbunden sind.

Abb. 1: Einteilung der Seegebiete für unter deutscher Flagge fahrenden Schiffe

Seegebiet
Gerätekennung
Ausrüstung
A1 A
UKW-DSC- Kodierer/Dekodierer
A1 B
UKW-DSC- Wachempfänger Kanal 70
A1 C
GW- Wachempfänger auf 2182 kHz (bis 1999)
A1 D
Navtex-Empfänger
A1 E
EGC-Empfänger für INMARSAT (nicht, wenn ausschl. Navtex-Gebiet befahren wird)
A1 F
Sat-Seenotfunkbake auf 406 Mhz oder 1,6 Ghz oder UKW-DSC- Seenotfunkbake Kanal 70 mit Radartransponder
A1 G
Radartransponder 9GHz
A1 H
UKW-Handsprechfunkgerät
A2
zusätzlich I
GW-DSC- Wachempfänger auf 2187,5 kHz
A2
zusätzlich J
GW-DSC- Seefunkanlage, bestehend aus Alarmierungseinrichtung (Senden/Empfangen), DSC-Kodierer, Sprechfunk, Alarmzeichengeber auf 2182 kHz
A3
zusätzlich K oder zusätzl. L
INMARSAT- Schiffs-Erd-Funkstelle, bestehend aus Alarmierungseinrichtung (Senden/Epfangen), Telexeinrichtung GW/KW-DSC-Seefunkanlage, bestehend aus Alarmierungseinrichtung (Senden/Empfangen), DSC-Kodierer, Sprechfunk, Telex, Alarmzeichengeber auf 2182 kHz
A4 A4 wie Seegebiet A1
Aus diesen Ausführungen wird klar, dass die Kurzwelle nur ein Teil eines umfangreichen Systems ist.
Der Navtex-Empfänger empfängt und dekodiert die dafür vorgesehenen Nachrichten auf den MW-Frequenzen 490kHz und 518kHz , außerdem wird der Empfang auf 4209,5kHz empfohlen. Hier werden Informationen übermittelt, die der Kurzwellenhörer mit einem Dekoder in der Betriebsart SITOR-FEC-B Mode lesen kann. Es handelt sich um nautische und sicherheitsrelevante Informationen auf Grundlage einer Unterteilung der Weltmeere in 16 NAV-AREA-Gebiete (s. Abb. 1).

Hier einige nahe gelegene Navtex-Stationen:

Station ITU Call UTC
Cherbourg R. F 0140, 0540, 0940, 1340, 1740, 2140
Niton R. G GNI 0018, 0418, 0818, 1218, 1618, 2018
Portapatrick R. G GPK 0130, 0530, 0930, 1330, 1730, 2130
Cullercoats R. G GCC 0048, 0448, 0848, 1248, 1648, 2048
NCG Texel HOL PBK 0348, 0748, 1148, 1548, 1948, 2348

An den Sendezeiten fällt das feste Schema der Aussendungen auf. Für jede Navtex-Station gilt ein Turnus von vier Stunden.

Abb. 2: Die NAVAREAS repräsentieren die Gebiete, für die die Informationen ausgegeben weden.

Das Übertragungsformat sieht folgendermaßen aus:

Phasensignal 10s.
Synchronisierung
zczc
Eröffungssignal
B1
Senderidentifikation (A-Z)
B2
Art der Meldung A-L sowie Z
B3 und B4
Seriennummer der Sendung
Inhalt
nnnn
Schlusszeichen

Die Art der Meldungen (B2) lauten:

A   Küstennavigationswarnung

B   meteorologische Warnungen
C   Eisberichte
D   Such- und Rettungsinfos
E   Wettervorhersage
F   Lotseninfos
G   Decca-Infos
H   Loran-Infos
I   Omega-Infos (Anmerkung: Omega wurde eingestellt!)
J   Satellitennavigationsmeldungen
K   Informationen über andere, el. Navigationssysteme
L   zusätzliche Navigationswarnungen
Z   es liegen keine Meldungen vor

Außerdem wird zwischen Prioritäten entschieden:

- sofortige Meldung

- Aussendung nach der nächsten Funkstille
- innerhalb der regulären Aussendung

Für Not- und sicherheitsrelevante Rufe auf Grenz- und Kurzwelle sind Simplexkanäle auf folgenden Frequenzen vorgeschrieben. Sie ersetzten praktisch die ehemaligen Hörbereitschaftsfrequenzen.

DSC-Notanruf SSB-Sprechfunk (J3E) Funkfernschreiben  (ARQ, 100Bd)
2187,5 kHz 2182 kHz 2174,5 kHz
4207,5 kHz 4125 kHz 4177 kHz
6312,0 kHz 6215,5 kHz 6268 kHz
8414,5 kHz 8291 kHz 8376,5 kHz
12577,0 kHz 12290 kHz 12520 kHz
16804,5 kHz 16420 kHz 16695 kHz

Für MSI (Maritime Safety Information) stehen die Frequenzen 4210, 6314, 8416.5, 12579, 16806.5, 19608.5, 22376 und 26100.5 kHz zu Verfügung.

DSC-Notanrufe funktionieren nach dem Prinzip einer Folge von siebenstelligen Binärcodes (erweitert auf 10 Stellen zur Fehlerkorrektur). Bei der Übertragungsart handelt es sich um Frequenzumtastung mit der Mittenfrequenz von 1700Hz, die mit +- 85Hz getastet wird. Die Übertragungsrate beträgt 100Bd.

Darüber hinaus gibt es nach wie vor den öffentlichen, also den betrieblichen und privaten Fernmeldefunkverkehr.

Auf dem GW-Band sind dafür vorgesehen die Frequenzen:

Frequenz Betriebsart Bestimmung
2170,5 kHz DSC national bestimmter Anruf
2177 kHz DSC Anruf Schiff-Schiff und KüFuSt-Schiff
2189,5 kHz DSC Anruf Schiff-ausl. KüFuSt
2045 kHz J3E Arbeitsfrequenz Schiff-ausl. Schiff
2048 kHz J3E Arbeitsfrequenz Schiff-ausl. Schiff oder KüFuSt
2051, 2054, 2057 kHz J3E Arbeitsfrequenz Schiff-KüFuSt
2055, 3355 kHz J3E Arbeitsfrequenz Schiff-Schiff

Auf den Kurzwellenbändern 4, 6, 8, 12 und 16MHz stehen weitere Frequenzen für den öffentlichen Funkverkehr zur Verfügung, sowohl für Sprechfunk als auch SITOR. Aufgrund des Umfangs sei auf die genauen Auflistungen der Frequenzen in unten angegebener Literatur verwiesen.

Literatur:

Seefunk auf allen Meeren, R. Brannolte / W. Siebel, Siebel-Verlag Meckenheim

Spezielle Listung für Stationshinweisen, Seefunkfrequenzen und Sendezeiten

Spezial-Frequenzliste, R. Brannolte / W. Siebel, Siebelverlag Meckenheim

Allgemeine Liste für Utility-Frequenzen zwischen 9kHz und 30MHz

Jachtfunkdienst, Nord-und Ostsee, Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie

Stationshinweise, Frequenzen, Sendezeiten und Betriebshinweise zum Seefunk

Admirality List of Radio Signals, Coast Radio Stations, Hydrographer of the Navy, GB

Ausführlichste Liste mit Stationshinweisen, Frequenzen, Sendezeiten

Guide to Utility Stations, Klingenfuss, Klingenfuss Publications

Allgemeine Liste für Utility-Frequenzen mit Sendezeiten

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