Der AATiS stellt sich vor

Der Arbeitskreis Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule e.V. ist ein kompetenter Partner für Lehrer, Jugendleiter, Ausbilder in der Industrie und weiterer Interessenten sowie Schüler und Jugendliche. Zur Nachwuchsarbeit schult und bedient er sich Multiplikatoren, weil dadurch effektives Arbeiten gewährleistet ist. Die von Ihm ausgearbeitete und erprobte Seminardidaktik wird geschätzt.

Seine Mitarbeiter bieten individuelle Hilfestellung, Beratung, Medien und Seminare zur Gestaltung eines lebendigen, handlungsorientierten und dadurch motivierenden Unterrichts als Resultat der eigenen Fortbildung.

Ziel ist es, über die Lehrkräfte als Multiplikatoren den Heranwachsenden eine sinnvolle Freizeit-beschäftigung und eine konkrete Berufsorientierung anzubieten. Hierbei findet eine Zusammenarbeit des AATiS e.V. mit der Industrie und Instituten statt, um neue Techniken alsbald und praxisorientiert an Lehrer und Schüler vermitteln zu können. Schülerinnen und Schülern wird Beratung und konkrete Unterstützung bei Jugend-forscht-Arbeiten und weiteren Aktivitäten angeboten.

Der Arbeitskreis Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule e.V. hat sich im Sept. 1994 als eingetragener Verein konstituiert, nachdem einige seiner engagiertesten Mitglieder seit mehr als 15 Jahren intensiv zusammenarbeiten und er wurde vom Finanzamt Hildesheim als gemeinnütziger Verein anerkannt. Heute kann der AATiS e.V. 330 Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet und mehreren angrenzenden Ländern aufweisen. Sein Adressenverzeichnis enthält fast 3000 Anschriften von Lehrkräften, die sich mit modernen Inhalten des naturwissenschaftl. Unterrichts auseinandersetzen. Im März 1999 bot der AATiS e.V. seinen 14. ´Bundeskongress für Amateurfunk und Telekommunikation an Schulen´ an – eine Veranstaltung, die bereits lange vor der Vereinsgründung zum jährlichen Angebot gehörte.

Obwohl der Schwerpunkt der Aktivitäten den schulischen Bereich betrifft, sind auch andere Berufsgruppen im Verein vertreten, die nicht der Pädagogik zuzurechnen sind. Insbesondere handelt es sich hierbei um Ingenieure und Techniker. Die Zusammensetzung des Vorstandes spiegelt dies bereits wieder: ein Realschullehrer, ein Diplom-Ingenieur sowie ein Oberstudienrat.

Der AATiS e.V. beschäftigt sich intensiv mit den folgenden Bereichen:

- Amateurfunkanwendungen

- Telekommunikation und Netze

- Meteorologie, Aerologie, Klimatologie

- Fernerkundung der Erde, Raumfahrt

- Elektronik, Sensorik und Mikrocontroller-Anwendungen

Da die Mitglieder des AATiS e.V. aus unterschiedlichen Berufsgruppen stammen und der Verein stets enge Kontakte zu einschlägigen Fachkreisen pflegt, stehen somit Spezialisten aus den verschiedensten Richtungen der Schulen, der Forschung, der Industrie und weiteren Institutionen beratend und unterstützend zur Verfügung.

1. Vorsitzender: Wolfgang Lipps, Sedanstr. 24, 31177 Harsum
Tel.: 05127 / 69396, FAX: 69395, wolfgang.lipps@t-online.de

2. Vorsitzender: Dipl.-Ing. Oliver Amend, DG6BCE, Dürerstr. 56, 28844 Weyhe-Leeste
Tel.: 0171 / 4030242

Kassierer: Harald Görlich, DG6BCE, Kampstr. 17, 38063 Göttingen
Tel.: 0551 / 791447, hagoerlich@t-online.de

Homepage: http://home.t-online.de/home/aatis

Soweit die Selbstdarstellung des AATiS e.V..

Sprachrohr des AATiS e.V. ist das Rundschreiben, aktuell von Sommer / Herbst `99. Darin werden Vorschläge zu- und Ergebnisse von Projekten veröffentlicht. Herrausragendes Thema in der aktuellen Ausgabe waren Ballonprojekte, bei denen u.a. die meteorologische und navigatorische Thematik im Vordergrund stand, zudem interessante Herrausforderungen an Sensorik, Übertragung und Auswertung stellte.

Das WxNET soll das Ziel haben, ein PR-Netz für die Erfassung und den Austausch von Wetter-und Umweltdaten beispielsweise an Schulen einzurichten. Grundlage dafür ist die Einführung eines Standards, der sich ASYNOP nennt und die amateurmäßige Variante des von Wetterämtern verwendeten SYNOP-tischen Übertragungsprotokolls ist.

Das Medienverzeichnis stellt das Angebot des AATiS e.V. an Platinen, Bausätzen, Fertiggeräten, Literatur und Software vor, das sich auf vergangene und aktuelle Projekte bezieht.

Alle Projekte werden in den Praxisheften, von denen die letzte Ausgabe bereits die Nummer 9 trägt, mit umfangreichen Schaltungen, Bauplänen und Grundlagen beschrieben, ebenso wie Themen anderer Bereiche, mit denen sich der AATiS e.V. befasst.

Über die ständig aktualisierte AATiS-CDROM wird Software, die bei vielen Projekten und Anwendungen Verwendung finden, angeboten, so z.B. Mess-, Steuer-, Analyse-, Datenübertragungs-, Dekodier- und Informations-Software.

Auch für den Kurzwellenhörer bietet der AATiS e.V. interessante Informationen. So beinhaltet das Praxisheft 9 eine Vielzahl von Beiträgen über Wellenausbreitung, Sferics, einen Bauvorschlag für einen Längstwellenempfänger, Gewitter-Empfänger und Wolkenladungsmonitor sowie weiteren fachbezogene Themen.

Wolfgang Lipps DL4OAD, 1. Vorsitzender, war so freundlich, uns einige Fragen aus der Sicht desjenigen zu beantworten, der Kontakt zu jungen Menschen hat. Unsere Fragen beziehen sich stark auf den Nachwuchs und zielen damit vorallem auf die Zukunft des Amateurfunks und deren artverwandten Hobbys ab, somit auch auf das des Kurzwellenhörens.

VFO: Sie stellen den AATiS e.V. unter Anderem als Partner auch für Schüler und Jugendliche vor. Sind diese auch die eigendliche Zielgruppe ihrer Aktivitäten?

DL4OAD: Die primäre Zielgruppe des Arbeitskreises Amateurfunk und Telekommunikation (AATiS) e.V. sind Lehrkräfte, denn es ist nicht machbar, dass unsere Mitarbeiter durch das Land fahren und Aktivitäten vor Ort aktivieren und unterstützen. Dies können wir nur in Ansätzen leisten, z.B. bei einem Ballonstart oder Regionalseminaren an Wochenenden. Vielmehr nutzen wir die Lehrer in den Schulen als Multiplikatoren, vermitteln ihnen Knowhow und bieten ihnen Hilfestellung, damit sie mit großer Motivation ihren Schülern neue Themen aufschließen können. Dieses Konzept ist seit Jahren erprobt und geht auf, wie die Erfolge in den Schulen und auch manchen Jugendgruppen zeigen.

VFO: Gibt es unter den Lehrkräften Meinungen darüber, ob sich das Interesse junger Menschen an wissenschaftl. Betätigungen im Sinne des Hobbys im Laufe der vergangenen Jahrzehnte geändert hat?

DL4OAD: Lehrer beobachten – und die meisten von uns sind im Schuldienst – eine zwiespältige Art des Umgangs mit technischen Innovationen bei jungen Menschen: moderne Geräte werden benutzt, aber ihre Funktionsweise scheint sie kaum zu interessieren. Unser Bestreben ist es deshalb, Jugendliche neugierig zu machen und zu begeistern, sich mit modernen Techniken praktisch und experimentell auseinander zu setzen. Und da bieten Elektronik, Sensorik, Datenübertragung usw. sehr gute Ansätze, die wir insgesamt gerne und erfolgreich mit Hilfe des Amateurfunks abdecken.
Die Lehrkräfte in den Schulen können mit der technischen Entwicklung nur schwer Schritt halten. Viele von ihnen haben vor rund 25 Jahren das Studium beendet und es gibt kaum praxisorientierte Lehrerfortbildung, die an technische Innovationen heranführt. Also müssen sich die Lehrer selbst durch Literatur und außerhalb der offiziellen Angebote weiterbilden. Das ist ein Grund für den Erfolg unserer Praxishefte und auch unserer Seminarangebote. Zu einigen AATiS-Wochenendveranstaltungen kommen mittlerweile engagierte Lehrer mit interessierten Schülern angereist.
Ein Schwerpunkt unserer Vereinsaktivitäten ist die Hinführung zum praktischen Arbeiten und Lernen, sprich zum Selbstbau von Geräten. Hier gehen wir den Weg, dass neben Bauanleitungen und praxisorientierten Grundlagen in unserer Praxisheftreihe auch die entsprechende Software und zumindest eine Platine, eventuell sogar ein Bausatz zur Verfügung stehen. Allerdings können wir dieses Vorhaben nicht stark ausdehnen, denn wir sind keine Firma, erledigen alle Arbeiten ehrenamtlich und verfügen nur über bescheidene finanzielle Mittel.

VFO: Ist das steigende Durchschnittsalter unter Amateurfunkern ein generelles Problem?

DL4OAD: Das steigende Durchschnittsalter der Funkamateure bereitet uns große Sorge. Hier wurde sicherlich eine Entwicklung verschlafen, weil sich viele mit dem Status zufrieden gaben und keine Fortentwicklung anstrebten. Das hängt mit der enormen technischen Innovationen einerseits zusammen, aber auch mit der fehlenden Nachwuchsarbeit. Der AATiS e.V. hat sich eingesetzt, um die Lizenzklasse 3 – die Einsteigerlizenzklasse – nach englischem Vorbild in Deutschland einzuführen. Die Anzahl der neuen Funkamateure aus diesem Jahr läßt hoffen.

VFO: Gibt es tendenziell besondere Neigungen oder Abneigungen unter Jugendlichen zu bestimmten Fachgebieten, denen Sie sich beim AATiS annehmen? Welche Art von Projekten erfreuen sich der größten Beliebheit?

DL4OAD: Wir bleiben eher bodenständig oder gehen in die Luft: Das Ballon-Projekt, bei dem wir innerhalb von fast vier Jahren 48 Missionen durchführten und sich Schulen in verschiedenen Phasen aktiv beteiligen konnten oder das neue Projekt ‘WxNET’, bei dem automatische Stationen meteorologische, umweltrelevante und geophysikalische Daten erfassen und über das Amateurfunkdatennetz Packet Radio austauschen. Weitere Projekte wie der Selbstbau eines Kurzwellenempfängers mit Antennen und weiterem Zubehör, die Vermittlung von Kontakten zur Raumstation MIR oder Grußbotschaften über Satelliten, das sind Aktivitäten, bei denen Schülergruppen ihren Schwerpunkt suchten und fanden.

VFO: Gibt es auch hier, bei diesen Aktivitäten, den Trend: PC gegen Praxis?

DL4OAD: Dem Trend zum PC-Einsatz begegnen wir nicht mit Zurückhaltung, sondern sehr aufgeschlossen. Jedoch darf der PC nicht zum Selbstzweck werden, sondern dient als Werkzeug oder Messmittel. So gibt es mittlerweile Software, durch die der PC zum Speicheroszilloskop oder zum Spektroskop für niederfrequente Signale wird – eine Sache, die gerade auch von Rundfunkhörern verstärkt genutzt werden sollte! Es darf jedoch nicht so sein, dass die Computersimulation das reale Experiment verdrängt. Auch finden wir die Internet-Euphorie nicht akzeptabel, die beim Aufschlagen jeder pädagogischen Zeitschrift den Leser förmlich erschlägt. Diese Entwicklung wird aber m.E. nur von kurzer Dauer sein – dann wird das Internet in den Schulen eine normale Rolle spielen, nämlich ebenfalls als “Werkzeug”, in diesem Fall zum Nachschlagen aktueller Daten und Informationen.

VFO: Bei Funkamateuren und Kurzwellenhörern ist eine zunehmende Resignation bei der Anfertigung von elektronischen Schaltungen festzustellen. Stellt sich bei Ihren Projekten, die die Anfertigung von Baugruppen erfordert, nicht auch zunehmend das Problem der ´Bauteilbeschaffung´ in den Vordergrund?

DL4OAD: Natürlich gibt es Probleme bei der Bauteilebeschaffung: wir können aus finanziellen Gründen kaum Bausätze zusammenstellen und vorhalten – dazu ist die Kapitaldecke meines Vereines zu gering. Und wenn wir eine Firma um Unterstützung bitten würden, so müßte diese die Preise mindestens verdoppeln, denn dort setzt sicherlich niemand gerne seine Freizeit ein.
Andererseits bekommen wir – allerdings sehr selten – eine Bauteilespende von Firmen: LEDs, ICs. Wir setzen uns dann zusammen und schauen, welchen Bausatz wir dazu anbieten können. So ist unser ‘blinkender Weihnachtsbaum’ entstanden – eine übersichtliche Schaltung für Elektronikeinsteiger, bei der wir nur die ausgefräste Platine berechnen.
Die Bauteilebeschaffung hält ein weiteres Problem bereit. Wir merken schon jetzt, dass der Trend zu SMD-Bauteilen geht. Da wir auch Jugend forscht-Arbeiten unterstützen, konnten wir für eine Schaltung spezielle Operationsverstärker nur in SMD bekommen…

VFO: Ist nicht auch bei Heranwachsenden eine Art Abneigung gegen den Umgang mit dem Lötkolben festzustellen?

DL4OAD: Dies stellen wir ebenfalls fest. Dem Trend “Weg vom Lötkolben” arbeiten wir bewusst und erfolgreich entgegen. Wir haben einige wenige “Renner” bei den Bauanleitungen, erkennbar an den Platinenbestellungen. Aber ein “Geschäft” ist auch dies nicht, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir dieses Material fast zum Einkaufspreis abgeben. Allerdings gibt es bei Funkamateuren einen interessanten Trend, das ist der Selbstbau von QRP-Geräten für die Kurzwellenbänder. Es ist schon ein Erlebnis, wenn mit Leistungen unter einem Watt Verbindungen mit den USA gemacht werden können. Diese Enthusiasten finden Unterstützung durch verschiedene Vereine, darunter auch deutsche, die hervorragende Arbeit leisten!

VFO: Welche Möglichkeiten haben Schüler, an AATiS-Projekten Teil zuhaben, wenn ihre Schule keine Unterstützung bietet?

DL4OAD: Gerade im zweiten Halbjahr wenden sich immer wieder Schüler direkt an den AATiS mit der Bitte um Unterstützung bei Jugend forscht-Projekten. Dieser können wir zwar nur in Ansätzen entgegenkommen, aber wir bemühen uns Kontakte aufzubauen und Ansprechpartner zu vermitteln: an Fachhochschulen, Schulen und Firmen. Außerdem helfen wir zuweilen weiter, wenn eine Schülergruppe mit ihren Überlegungen oder Experimenten nicht weiterkommt. Ein häufig gestelltes Problem ist die Messwertübertragung oder Fernsteuerung von Robotern und speziellen Fahrzeugen. Einige Jugend forscht-Arbeiten, die von breitem Interesse waren, konnten wir auch schon in unsere Praxishefte übernehmen und so gleichzeitig wieder Anregungen für weitere Schülergruppen geben.

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