Vom Kurzwellenempfänger zur PC-Steckkarte

Die Welt der Kurzwelle unterliegt einem großen Wandel. Während noch in den 80iger Jahren Norddeich Radio den größten Zuwachs an Nutzern ihrer Geschichte verzeichnen konnte, wurde deren Betrieb Ende der 90iger Jahre eingestellt. So, wie sich kommerzielle Nutzer von der Kurzwelle abwenden, um z.B. Satellitendienste zu nutzen, tun dies auch Rundfunkanstalten, immer mit dem Verweis auf schwindende Hörerschaften. Sie bieten ihr Programm via Satellit, ja sogar via Internet an.
Kein Zweifel, in den Industrienationen kann man unter dem Begriff “Hörerschaft” schon seit längerem nur noch von Hobbyisten reden, also z.B. von SWL´s und BC-DXer.
Auch in technischer Hinsicht, hier auf Empfängerseite, zeichnen sich Änderungen ab. Dabei sind gar nicht tiefgreifende, technologische Revolutionen gemeint wie beispielsweise die Einführung von Halbleiterelementen seinerzeit. Nein, die Verbreitung des PC´s hat Hersteller dazu bewogen, Kurzwellenempfänger in den PC zu implantieren.

Um von Beginn an eine Grenze zwischen den unzähligen TV / Radio-Karten und den KW-Rx-Karten zu ziehen, sind hier einige Typen aufgeführt. Sie alle überdecken den KW-, meist auch den UHF-Bereich und sind daher auch als Kurzwellenempfänger bzw. Scanner zu bezeichnen.

Typ Hersteller Bauweise Frequenzbereich Betriebsart Lautsprecher
IC-PCR1000 ICOM Extern 0,5 – 1300 Mhz FM, AM, SSB ja (200mW)
IC-PCR100 ICOM Extern 0,01 – 1300 Mhz FM, AM ja
95-S Collins Extern 0,01 – 1300 Mhz FM, AM, SSB nein
RX320 TenTec Extern 0,1 – 30 Mhz AM, SSB nein
Winradio Rosetta Extern 0,15 – 1300 MHz FM, AM, SSB
DR333 Dymek Extern 0,01 – 30 MHz FM, AM, SSB nein
RAD Warecard Intern 0,45 – 30 MhZ AM, SSB Soundkarte
Winradio Rosetta Intern (ISA) 0,5 – 1300 Mhz FM, AM, SSB Soundkarte

Es ist nicht mein Ziel, diese Geräte im Einzelnen zu testen, sondern einmal die Vorzüge und Nachteile zu beleuchten, die sich durch die besondere Bauweise ergeben, besonders im Vergleich zu herkömmlichen, d.h. autonomen Geräten.

Bevor nun diese Bauart sich überhaupt etablieren konnte, mußten erst einmal Argumente ins Feld geführt werden, die das Angebot und damit den Kauf eines solchen Empfängers begründen.

Keine Platzprobleme im Shack:
Das gilt, wenn überhaupt, nur bei den internen Geräten, also den PC-Karten. Doch weiß so mancher SWL schon von Platzproblemen innerhalb des PC zu berichten. Bei den externen (Blackbox-)Geräten bleibt einem die Unterbringung auch nicht erspart, lediglich der Tisch könnte an Platz gewinnen. All zu weit lassen sich die Blackbox mit internem Lautsprecher jedoch auch nicht absetzten. Und ob es das ist, was ein engagierter SWL will, nämlich auf die üppige Präsens eines Empfangsgerätes zu verzichten? Mein Gefühl sagt mir: nein! Ich gehe wohlwollend davon aus, daß der PC ohnehin nicht wegzudenken ist, sonnst müßte ich noch dessen Platzbedarf erwähnen. Und dann gibt es noch denjenigen, der für die zweite COM-Schnittstelle schon eine andere Peripherie vorgesehen hat. Dann muß eine Switchbox her, womit das Kabelgewirr erst richtig perfekt wird.

Steigerung des Bedienungsumfangs:
Soweit es nur um die direkte Einstellung von Frequenz, Betriebsart oder Speicher geht, ist bei der PC-Lösung kein Vorteil zu verzeichnen. Auch die an Potis gebundenen Einstellungen wie z.B. Notch, Lautstärke, Passband und HF-Regelung sind mit der Maus nicht vorteilhafter zu bedienen als mittels Poti am Empfänger.
Anders sieht das mit der Speicherverwaltung aus, die sich aufgrund der begrenzten Anzahl von Bedienungselementen an einem autonomen Empfangsgerät und damit verbundenen Doppelbelegungen von Tasten kompliziert und mitunter langwierig gestalten. Die Frequenzlistenerstellung, die Versorgung von Speicherplätzen, die Programmierung von Ein-Ausschaltzeiten zur Automatisierung des Empfangs und nicht zuletzt das grafische Darstellen von Scan-Ergebnissen sind wahre Vorteile gegenüber einem Standardgerät. Aber sind dies tatsächlich Vorteile, die auf die Bauweise des Empfängers zurückzuführen sind? Eben nicht! Diesen Vorteil zieht man generell aus dem Vorhandensein eines PC. Es ist doch so, daß mittlerweile schon Kurzwellenempfänger der unteren Preisklasse (Beispiel: NASA HF-4E) über eine Anschlußmöglichkeit an einen PC verfügen. Mit einigen Ausnahmen sind sie direkt von einer COM-Schnittstelle des PC´s aus ansprechbar. Und all die Vorteile, wie sie hier genannt sind, gelten auch hier und sind nicht von der Bauweise abhängig. Software zur Steuerung von KW-Empfängern gibt es viele und allen gemeinsam ist, daß sie fertige Treibermodule für praktisch jeden Empfängertyp bereithalten. Bei teureren , selbständigen Empfängern sind sogar auch die meisten Potistellungen in ihrem Wert definiert. So z.B. bei dem NRD535, bei dem Passbandtuning, Notcheinstellung und die varialble Bandbreite mit eindeutigen Werten gesteuert werden können.

Praxis:
Ein nicht zu unterschätzender Nachteil ergibt sich für die reinen PC-Lösungen hingegen aus der Tatsache, daß sie eben nur mittels PC betrieben werden können. Das heißt, es ist grundsätzlich ein PC erforderlich. Umständlich ist demgemäß das Einschalten des Empfängers, was immer mit dem Hochfahren des PC´s verbunden ist. Der gleichzeitige Betrieb anderer Software kann problematisch werden, wenn die Systemresourssen des PC an ihre Grenzen geraten. Der Betrieb des PC an sich ist mit Störungen des Kurzwellenempfangs verbunden. Der Aufwand zur Reduzierung von Störungen auf PC-Karten ist hoch, aber die Behauptung, eine solche Karte sei frei von durch den PC erzeugten Störungen, ist einfach nicht haltbar. Immerhin befindet sich die Karte innerhalb des PC-Gehäuses, welches zumindest bei externen Lösungen schon für gewisse Erleichterung sorgt. Und selbst dabei wird jeder SWL bestätigen, daß der PC, besonders die Grafik-Karte, Störungen verursacht, sofern nicht wirklich alle Gegenmaßnahmen getroffen wurden, so z.B. die korrekte und ausreichende Erdung, Abschirmungen und weiträumiges Entfernen des Empfangsteiles von der Störquelle (oder umgekehrt).
Wie sieht es bei einem Fieldday aus? Oder einfach bei dem Versuch, eine besonders gute Lage, hoch auf dem Berg und frei von Störungen zu finden, um mit Antennen zu experimentieren. Mobil also, mit 12V Betriebsspannung, welche aus Akkus bezogen wird. Vielleicht mit einem Notebook? Wenn das nicht umständlich ist! Immerhin könnte man dieses Gegenargument entkräften, indem man auf ein Zweitgerät verweist.
Ein weiterer Nachteil der reinen PC-Lösung ist die Abhängigkeit nicht nur vom PC, sondern auch dessen Software. Mal ehrlich, wieviel Anwenderprogramme sind schon in Vergessenheit geraten, weil sie nicht mehr auf dem aktuellen Betriebssystem lauffähig sind? Viele, wunderbare DOS-Programme dösen in einem Regal dahin, bis der Anwender sich überwindet und sie in den Müll wirft. Selbst Windows 3.x-Programme haben immer öfter Verständigungsschwierigkeiten mit den neuen Betriebssystemen. Wenn nun eine Anwendersoftware einen Grundbestandteil eines Kurzwellenempfängers darstellt, welche Lebensdauer ist ihm dann beschieden? Immerhin kosten die PC-Lösungen ebensoviel Geld wie die selbstständigen Geräte der unteren und mittleren Preisklassen. Wird der Hersteller Software-Updates anbieten, und wenn, wie lange? Hat der Hersteller vielleicht ein neues Gerät im Angebot, was ihm die Pflege der alten Software hinfällig erscheinen läßt? Und selbst wenn nicht. Könnte man akzeptieren, für Updates wieder und wieder Geld anzulegen? Da denke ich an Zeitungsanzeigen und Flohmärkte, auf denen noch 50 Jahre alte Kurzwellenempfänger begehrlich die Besitzer wechseln, ohne daß etwa die Verfügbarkeit einer Software von Bedeutung wäre. Vielleicht läßt sich ein PC-Empfänger eines Tages nur noch dann verkaufen, wenn auch ein 486er Rechner incl. Windows 3.1 mitgeliefert werden kann. Man denke dabei an den Stand der PC-Technik in vielleicht 5 Jahren!

Empfangsleistungen:
Grundsätzlich sollte man auf die Bedeutung, Vergleiche im heimischen Shack anzustellen, hinweisen. Denn sowenig man einzelne Produkte pauschal beurteilen darf, so unterschiedlich sind auch die Bedingungen bei jedem einzelnen Anwender, unter denen sie eingesetzt werden. Grundsätzlich aber haben PC-Empfänger in Steckkartenbauweise eine schlechtere Ausgangsbedingung.
Wie schon erwähnt, setzen die durch den PC erzeugten Störpegel gewisse Grenzen hinsichtlich Empfindlichkeit, Dynamikbereich und mehr. Dabei haben Testberichte und Prospektangaben eine besonders geringe Aussagekraft. Denn um die Angaben nachvollziehen zu können, müßten ganz konkrete, um nicht zusagen, die selben Bedingungen hergestellt werden, wie beim Test. Die Papierdaten mögen noch so überzeugen; die Hersteller sind in der Lage wie kein Anwender, optimale Bedingungen für eine Spezifikation von Messdaten zu schaffen. Kein PC ist wie der andere.
Es ist halt so, daß gerade bei Kurzwellenempfängern ohnehin das kleine Quäntchen besseren Empfangs mitunter zu Preisverdopplung führt, zu der man sich ja durchaus bekennt. Wie ärgerlich war es aber immer schon, dieses durch Störungen wieder zu verlieren.
Die Blackbox- so wie die herkömmlichen Geräte, entziehen sich diesem Problem wenigsten teilweise durch ihre räumliche Distanz zum PC. Bei den externen Blackbox-Geräten wird dieser Vorteil allerdings gleich ad absurdum geführt, indem die Blackbox einen Lautsprecher enthält oder mittels NF-Buchse mit der Soundkarte des PC verbunden werden muß. Nun, einzig das selbständig funktionierende Empfangsgerät bietet die Möglichkeit, Kurzwelle gänzlich ohne PC zu hören.
Bei den internen Karten gibt es Leistungsmerkmale, die die eigenständigen Empfangsgeräte oft deutlich in die Schranken weisen. Dies sind z.B. die Anzahl und die Steilflankigkeit von Filtern, die digital leicht im PC erreicht werden. Aber Achtung, es handelt sich dabei bei PC-Kartenempfängern nicht zwangsläufig um ZF-Filter, die ihrerseits schon auf Zwischenfrequenzebene für Selektion und Entstörung sorgen könnten, um so den Dynamikbereich und die Empfindlichkeit zu verbessern. Es sind meist nur NF-Filter.
Da gibt es die ebenso leicht realisierbare Frequenzsysnthese, die Frequenzschritte von 1 Hz und Teilen davon ermöglichen. Jeder möge selbst beurteilen, ob das von Nutzen ist.
Die HF-seitige Selektion, deren Störbefreiung und generell deren Güte läßt sich jedenfalls nur außerhalb eines PC ausschöpfen.

Fazit:
Die Nachteile überwiegen. Die PC-Empfänger können praktisch nicht mehr als seine Kollegen, wenn diese per PC gesteuert werden. Sie sind aber abhängig vom PC, sowohl um ihn zu betreiben als auch im Gesamtwert, der mit dem PC steht und fällt (siehe auch Lebensdauer der Software). Internen Karten-Empfängern hängt der empfangstechnische Nachteil an.
Was ist also der Grund, weshalb dennoch PC-Empfänger z.Z. nicht nur im Angebot sondern auch tatsächlich in der Nachfrage steigen?
Dazu wage ich einfach mal die Vermutung, daß es sich, wie üblich bis auf Ausnahmen, bei den Käufern nicht um alte Hasen des Kurzwellenempfangs handelt. Vielmehr gelingt es den Herstellern, die Käuferschicht der Einsteiger zu gewinnen. Sie werden meist schon PC-erfahren sein und vielleicht einmal am Weltempfang schnuppern wollen. Was bietet sich aus der Unerfahrenheit des Anfängers heraus dann mehr an, als dies mit dem PC zu verbinden. Der Preis kann es allerdings kaum sein, der für ein PC-Empfänger spricht, vielmehr die vertraute Umgebung eines Bildschirmes.
Eine weitere Käuferschicht sind die Scanner-Anhänger. Für die UHF-Frequenzen ist der Makel der Störungen nicht so schwerwiegend wie bei der Kurzwelle und natürlich ist auch die Zielsetzung anders gelagert. Hier spielt die Frequenzspeicherverwaltung in Verbindung mit Scan-Funktionen eine besondere Rolle. Der direkte Kontakt zu einem PC-Slot ermöglicht im Gegensatz zu einem über eine Schnittstelle angesprochenen Empfänger wesentlich höhere Scan-Raten. Vor allem steht nicht der Nachweis eines kleinen Senders zur lokalen Versorgung einer Buschprovinz in Mittelafrika im Vordergrund. Bei meiner Betrachtung soll es jedoch vor allem darum und um die Kurzwelle gehen.

Aussichten:
Ein Club-Kamerad sagte kürzlich zu mir: “Es ist halt die heutige Entwicklung und sie ist nicht aufzuhalten.”
Wenn man sich die Kommunikationstechnik anschaut, die Verbreitung von Medien, die Kommunikation mittels PC usw., so muß man zu dieser Überzeugung gelangen.
Es hat allerdings schon viele technische Errungenschaften gegeben, die für sich betrachtet funktionierten und ihre Berechtigung hatten. Und so sind schon viele technische Errungenschaften wieder in Vergessenheit geraten. Hier findet so etwas wie eine Evolution statt. Dessen unbeeindruckt werden sich durch Massenproduktion hergestellte und damit zu Minimalpreisen angebotene TV / Radio-Karten weiter in die Herzen von PC´s einschleichen. Geht es aber um den Kurzwellenempfang, so muß man sehen, daß es sich hier wirklich “nur” noch um ein Hobby handelt, welches von Menschen betrieben wird, die meist auf der Suche nach technisch möglichst guten Lösungen sind. Sie unterscheiden sich von denen, die auf der Suche nach neuen Gags sind oder die mediale Grundversorgung mittels PC abwickeln. Ab einem gewissen Erfahrungsstand wird er schließlich doch zu der Erkenntnis gelangen, daß DX-ing auch beste Bedingungen im Umfeld erfordern wie z.B. Störfreiheit. Und er wird möglicherweise den Wunsch verspüren, an Fielddays teilzunehmen, nicht nur der Geselligkeit wegen, sondern der Experimentierfreude und schließlich des Hörererfolgs wegen.
Wenn aber die Faszination am KW-DX-ing nicht an die nächste Generation weiter vermittelt wird und die Kurzwelle weiter verkümmert, dann komme auch ich zu dem Schluß, daß die heutige Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Und dann stellt sich nicht mehr die Frage nach der Bauart von Empfangsgeräten, sondern nach der Bedeutung eines Kurzwellenempfängers ansich.

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