Dieser Artikel wendet sich hauptsächlich an Einsteiger, die sich bisher noch nicht mit dem Empfang von Wetterfax beschäftigt haben. Aber vielleicht findet auch der Wetterfax Profi den ein oder anderen nützlichen Hinweis.
Worüber reden wir ?
Einige Institute die sich mit dem Wetter und dessen Vorhersage beschäftigen bieten für verschiedene Nutzer eine Palette an Dienstleistungen an. Eine dieser Dienstleistungen ist unter anderem das Aussenden von Wetterkarten, Bodenanalysen oder Wetter bzw. Seegangsvorhersagen per Fax über Kurzwelle, UKW oder Satellit. Nutzer dieser Dienste ist zum Beispiel die See und Luftschiffahrt. Mit den Sendungen auf Kurzwelle werden wir uns nun etwas näher beschäftigen.
Was brauchen wir dazu ?
- einen guten Kurzwellen SSB-Empfänger zum Empfang der Faxsendungen,
- einen PC um das Fax “sichtbar” zu machen,
- Hardware zum decodieren der Signale,
- eine Software die uns die Decodierung und die Ausgabe des Faxes ermöglicht.
Kurzwellenempfänger:
Ein Empfänger der Mittelklasse sollte für unser Unternehmen das richtige sein. Er sollte USB können und nicht zu breite Filter haben. Weiterhin benötigen wir einen Audio-Ausgang, der unabhängig vom Lautstärkeregler sein sollte.
PC, Hardware & Software:
Zum decodieren habe ich mich für die Software JVComm32 von Eberhard Backeshoff entschlossen. JVComm32 ist lauffähig auf einem PC-System mit MS-Windows 95/98/NT. Es benötigt eine Pentium 100 Mhz CPU mit mindestens 16MB RAM und eine High- oder True Color Grafikkarte mit einer Auflösung von mindestens 800×600 Pixel. Diese Software ist als im Funktionsumfang uneingeschränkte Demoversion im Internet unter der Adresse http://www.jvcomm.de verfügbar und kann dort runtergeladen werden. Im Gegensatz zur Vollversion wird in der Ausgabe des Faxes jedoch in bestimmten Abständen das Wort ?Demo? eingeblendet. Die Registrierung zur Vollversion ist ebenfalls über das Internet möglich und kostet DM 120,–.
JVComm32 ermöglicht es uns die Signale über eine 16 Bit Soundkarte zu decodieren, so das eine weitere Hardware wegfällt. Was mir nun noch brauchen ist ein Audiokabel um den Audio Ausgang des Empfängers mit dem Line-in Eingang unserer Soundkarte zu verbinden.
Die Installation von JVComm32 gestalltet sich als absolut problemlos und professionell. Nach dem Start des Programms ist nur noch der Interface Type = Sound Card und der Mixer input select = Line-In im Konfigurationsfenster einzutragen und JVComm32 ist startklar.
Screenshot von JVComm32
Was wir nun benötigen ist klar. Frequenzen der Dienste deren Faxsendungen wir decodieren möchten. Nehmen wir für unseren ersten Test Bracknell Meteo in Großbritannien. Bracknell sendet 24 Stunden am Tag und setzt die Frequenzen 2618.5, 8040 und 18261 kHz ein. 8040 kHz kHz bringt tagsüber meist ein sehr gutes und brauchbares Signal. Falls der Empfänger nicht die Betriebsart FAX unterstützt, müssen wir den Empfänger auf USB und die Frequenz auf 1.9 kHz unter der eigentlichen Empfangsfrequenz einstellen.
Auf der Frequenz sollte nun ein Rattern aus 2 Tönen zu hören sein, ähnlich als wenn man beim normalen Telefonieren einen Anschluß erwischt an dem ein Faxgerät angeschlossen ist. Ein Ton ist für die Farbe Schwarz und einer für Weiß. Diese Töne sollten nun auch über unsere PC-Lautsprecher zu hören sein, vorrausgesetzt wir haben alles richtig angeschlossen und die Soundkarte ist richtig konfiguriert.
Nun können wir JVComm32 starten. Im Menüpunkt “Mode” können wir nun “2.FAX” anwählen. Jetzt müssen wir noch einige Dinge kontrollieren bzw. einstellen. In der unteren Hälfte des Fensters müssen wir ersteinmal auswählen, welche Art von Fax wir empfangen möchten. Dies stellen wir auf HF-Fax ein. Weitere Einstellungen sind LPM (Lines per minute), dies ist die Drehgeschwindigkeit der Faxtrommel bzw. die Anzahl der eingescannten Zeilen pro Minute, sowie IOC (Index of cooperation). Diese Werte müssen beim Empfang unseres Testdienstes Bracknell Meteo auf LPM: 120 und IOC: 576 stehen. Diese Werte werden von den meisten Anbietern genutzt, jedoch einige Ausnahmen gibt es.
Desweiteren sollten wir kontrollieren ob wir auch genau auf der richtigen Frequenz sind. Dies tun wir indem wir im Menüpunkt “FAX” das “Spectrum” auswählen. Dort sehen wir nun den Kurvenausschlag unserer beiden Töne bzw. Farben. Im Spectrum am unteren Rand stehen ebenfalls die beiden Namen unserer Farben. Nun sollte man die Frequenz so abstimmen, daß beide Höhen der Farbenkurven auf dem Eichstrich der entsprechenden Farbe stehen.
Um keinen Qualitätsverlust durch Übersteuerung zu bekommen, sollte der Audio-Level noch angepasst werden. Dies erfolgt mit dem Schieberegler neben dem Audio-Level Balken. Er sollte so ausgesteuert werden, daß der Balken in Grün erscheint.
Jetzt kann es losgehen. Im Menüpunkt “FAX” die Decodierung des Faxsignals mit “RUN” starten. Nun sollte wenn alles richtig eingestellt und konfiguriert ist und unserer Testdienst auch sendet, im großen unteren Fenster langsam aber sicher ein Wetterfax zu sehen sein.
JVComm32 bietet noch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Diese können in der sehr gut gemachten deutschen Hilfe des Programms nachgelesen werden.
Weitere Informationen über Wetterfax-Anbieter und ihre Sendezeiten findet man unter folgenden Internetadressen:
Deutscher Wetter Dienst:
http://www.dwd.de
Worldwide Facsimile Stations:
http://ourworld.compuserve.com/homepages/HFFAX/toc19.htm
Literaturhinweis:
SEEFUNK AUF ALLEN MEEREN, Brannolte / Siebel, Siebel-Verlag, Meckenheim.
WETTERFUNK, Kloth, Siebel-Verlag, Meckenheim.
SPEZIALFREQUENZLISTE, Brannolte / Siebel, Siebel-Verlag, Meckenheim.
JACHTFUNKDIENST NORD- UND OSTSEE, Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.
DAS FAX/SSTV PARXISBUCH, Schmid DK5BI, DARC-Verlag.