An einem Abend im November ging ich gezielt dem Empfang von NDBs (Non Directional Beacons) nach. Diese rundstrahlenden Baken mit geringen Leistungen von ca. 10W bis 1kW garantierten Reichweiten von ca. 20 km bis 250 km und fungieren in der See- und Luftnavigation als Fixpunkte. Sie beinhalten außer ihrer im Morsecode getasteten Kennungen und den in den Karten angegebenen Koordinaten keine weiteren Informationen und werden zum Anpeilen verwendet. Somit dienen sie als direkter Ziel- bzw. Überflugpunkt oder zur Eigenpeilung der Fahrzeuge mittels Kreuzpeilung. Aufgrund ihres meist 24-stündigen Betriebes eignen sie sich für den SWL und Funkamateur hervorragend als Ausbreitungs-Indikator oder zur Ausrichtung der Antenne. Da die Reichweitenangaben garantierte Werte darstellen, sind in der Praxis mit deutlich höheren Reichweiten zu rechen. Verwendung findet in Mitteleuropa der Frequenzbereich von 280 bis 490kHz, weshalb hier die Ausbreitungsbedingungen der Langwelle zu berücksichtigen sind. Insbesondere Mehrwegausbreitungen, hervorgerufen durch Reflexionen und Ablenkungen an Geländegrenzen mit stark verschiedener Dielektrizitätskonstanten des Bodens führen zu Dämpfung und Peilfehlern von über 15Grad.
Für den Empfang ist die Wahl eines möglichst schmalen ZF-Filters empfehlenswert. Die verwendete Modulationsart A1 (getasteter Träger) und A2 (modulierte Träger-Frequenz) ermöglicht zwar neben SSB bzw. CW auch die Einstellung der Betriebsart AM, ist jedoch wegen der damit oft verbundenen Bandbreite weniger vorteilhaft. Trotz des Mangels verschiedener Kurzwellenempfänger, dass bei SSB die Audiofrequenz und nicht die Trägerfrequenz angezeigt wird, ist durch die Morsekennung der Stationen immer eine eindeutige Identifizierung gewährleistet.

Beim Empfang von NDBs sollte eines noch berücksichtigt werden. Die Empfang ist mit Ausnahme der Sender in unmittelbarer Nähe oft recht schwach, soweit es sich um die Signalstärke handelt. Schnelles Durchkurbeln des Bandes führt ebenso schnell zur Enttäuschung. Deshalb sollte man in Ein-kHz-Schritten weiterschalten und jeweils eine Weile lauschen, um erstens die Kennungspausen abzuwarten und zweitens die Ohren an das Rauschen zu adaptieren. Der Erfolg ist verblüffend. Neben Sferics sind in diesem Empfangsbereich häusliche Störer besonders aufdringlich, und es ist nicht selten, dass sich, vorallem bei Verwendung breiter Filter, zwei NDBs überlagern.
Das Ergebnis einer zweistündigen Sitzung ist in folgender Liste aufgeführt.
| Station | Standort | Land | Ost | Nord |
| BOA | Bologna | I | 11,19 | 44,31 |
| BOT | Bottrop | D | 07,01 | 51,35 |
| DIK | Diekirch | LUX | 06,08 | 49,52 |
| DY | Düsseldorf | D | 06,08 | 51,14 |
| ELU | Luxemburg | LUX | 06,22 | 49,41 |
| FFM | Frankfurt | D | 08,39 | 50,03 |
| FHA | Friedrichshafen | D | 09,32 | 57,41 |
| FTZ | Fritzlar | D | 09,17 | 51,07 |
| FW | Frankfurt | D | 08,26 | 50,00 |
| FY | Finthen | D | 08,09 | 49,58 |
| GBG | Gleichenberg | AUT | 15,54 | 46,53 |
| GBL | Giebelstadt | D | 09,59 | 49,39 |
| GIN | Giessen | D | 08,49 | 50,38 |
| HDL | Heidelberg | D | 08,36 | 49,23 |
| HDM | Coleman | D | 08,23 | 49,32 |
| IA | Brno | SVK | 16,37 | 49,12 |
| INN | Inn | AUT | 13,28 | 48,35 |
| KNG | König | D | 09,06 | 49,46 |
| KTI | Kuhtai | AUT | 11,02 | 47,13 |
| LE | Luxemburg | LUX | 06,16 | 49,38 |
| LEC | Stavanger | NOR | 05,38 | 58,38 |
| LHR | Lahr | D | 07,48 | 48,21 |
| LI | Düsseldorf | D | 06,54 | 51,21 |
| LJ | Köln/Bonn | D | 07,04 | 50,56 |
| LMA | Lima | D | 06,24 | 51,22 |
| LV | Köln/Bonn | D | 07,15 | 50,48 |
| LW | Köln/Bonn | D | 07,15 | 50,54 |
| LW | Luxemburg | LUX | 06,11 | 49,36 |
| MGB | M’gladbach | D | 06,30 | 51,14 |
| NDG | Nördlingen | D | 10,25 | 48,50 |
| NIK | Nickey | BEL | 04,11 | 51,10 |
| NKR | Neckar | D | 08,44 | 49,20 |
| NMN | Mendig | D | 07,19 | 50,22 |
| ONC | Charlroi | BEL | 04,33 | 50,29 |
| ONT | kleine Borgel | BEL | 05,34 | 51,12 |
| Orust | S | 11,38 | 58,10 | |
| PFF | Pferdsfeld | D | 07,38 | 49,52 |
| PHG | Phalsbourg | F | 07,12 | 48,46 |
| PIA | Piacenza | I | 09401 | 45,01 |
| PSA | Spessart | D | 09.21 | 49,52 |
| RF | Erfurt | D | 11,05 | 50,58 |
| RUD | Rüdesheim | D | 07,57 | 50,02 |
| SBN | Saarbrücken | D | 07,07 | 49,13 |
| SEX | Semnbach | D | 08,03 | 49,34 |
| SIL | Siegerland | D | 08,08 | 50,41 |
| SLN | Söllingen | D | 08,04 | 48,47 |
| SPY | Spijkerboor | HOL | 04,51 | 52,32 |
| SR | Saarbrücken | D | 07,13 | 49,13 |
| SWH | Sw.Hall | D | 09,48 | 49,07 |
| THN | Thom | HOL | 05,50 | 51,10 |
| UT | Utsira | NOR | 04,54 | 59,18 |
| VIB | Viterbo | I | 12,05 | 42,25 |
| WBD | Wiesbaden | D | 08,19 | 50,03 |
| WLU | Luxemburg | LUX | 06,03 | 49,34 |
Welchen Erkenntnis lässt sich aus einem solchen Empfangsergebnis ziehen?
Dazu trug ich die Koordinaten der Stationen in ein rechtwinkliges Koordinatennetz ein.
Man erhält ein Abbild der räumlichen Verhältnisse, wobei gesagt werden muss, dass sie aufgrund der Rechtwinkligkeit dieses Koordinatennetzes nur annähernd mit der Landkarte übereinstimmen kann, bei der sich bekanntlich die Längengradabstände mit jedem Breitengrad ändern. Bis zu mittleren Maßstäben (z.B. Mittel-Europa) ist der Fehler jedoch weit geringer als der, den man selbst bei gewissenhaft ermitteltem Horizontaldiagramm einer Antenne erhalten würde.
Nachdem der eigene Standort, eventuell farbig, markiert wurde, wird in dem Beispiel bereits eine Vorzugsrichtung des Empfangs erkennbar, nämlich WNW – OSO. Eine lineare Trendlinie, wie sie bei Nutzung eines Tabellenkalkulationsprogrammes einfach eingefügt werden kann, unterstützt die Bestimmung der Vorzugsrichtung. Die Tatsache, dass in der NO – SW-Achse eine ähnlich große Anzahl von NDBs existieren aber nicht empfangen wurden lässt den Schluss zu, dass es sich hier indirekt auch um ein Abbild des Richtdiagrammes der Antenne handeln muß. Tatsächlich wies ich anfänglich nicht empfangene Stationen mit einer Rahmenantenne leicht nach. Für o.g. Beispiel hielt ein unangepasster Draht von ca. 15m Länge her. Interessant ist die Betrachtung einer Serie, in der die DX-Erfolge verschiedener Tage aufgeführt werden. Bei ausreichend grosser Anzahl solcher Ergebnisse sind durch den Vergleich verschiedener Empfangstage Aussagen zu den Ausbreitungsbedingungen möglich.

Bild 2: Das Ergebnis in grafischer Darstellung
So wiederholte ich den Empfang oben aufgeführter Stationen eine Woche später mit dem Ergebnis, dass sich zwar die Vorzugsrichtung eindeutig bestätigte, die Anzahl empfangbarer Stationen aus südlicher Richtung jedoch deutlich geringer war. Gleichzeitig waren in NW-licher Richtung zwei zusätzliche Stationen erschienen.
Angaben über NDBs findet man unter anderem in folgender Literatur:
FLUGFUNK, Siebel-Verlag Meckenheim
LANGWELLEN-UND LÄNGSTWELLENFUNK, Siebel-Verlag Meckenheim
HANDBUCK DER FUNKNAVIGATIONS-HILFEN,Wilhelm Herbst Verlag, Köln
FLIEGERTASCHENKALENDER, Luftfahrtverlag Friedrich Schiffmann GmbH, Bergisch Gladbach
LUFTFAHRTKARTE ICAO 1 : 500 000