Seit der Entdeckung der elektromagnetischen Welle war die Kurzwelle, damit soll hier auch die Lang- und Mittelwelle genannt sein, das Hauptmedium gleichermaßen für Rundfunk, Kommunikation, Navigation und mehr. Insbesondere Linienverkehr zu Luft und Wasser konnten sich einzig durch die Kurzwellenübertragung zu dem entwickeln, was er wurde. Erst vor etwa einem halben Jahrhundert, nachdem der Krieg beendet war und eine Zeit des Aufschwungs folgte, begann man die Ultrakurzwelle für den Rundfunk zu erschließen. Maßgeblich wurde dies durch die Weiterentwicklung geeigneter Materialien und damit Bauelemente ermöglicht, welche den Endverbrauchern erschwingliche Empfangsgeräte bescherten. Eines der Hauptargumente war nicht nur die höhere Übertragungsqualität aufgrund einer größeren Bandbreite der Übertragungskanäle, sondern auch eine Ausweitung des nutzbaren Frequenzspektrums, um dem marktwirtschaftlichen Prinzip des Angebots und der Nachfrage zukünftig besser entsprechen zu können. Nach den Frequenzbereichen für die terrestrische TV-Übertragung markiert z.Z. die TV-Satellitenversorgung mit Frequenzen um 12 GHz die Obergrenze der medialen Funkübertragung.
Im Bereich der Kommunikation begann zunächst eine vergleichbare Entwicklung, wobei für Bündelfunkverbindungen heute schon Frequenzbereiche von um 300GHz erschlossen sind.
Küstenfunkstellen, die die ursprünglichsten Nutzer der elektromagnetischen Wellen schlechthin waren und über hundert Jahre lang auf die Vorzüge der weltweiten Verbindung mit Schiffen per Kurzwelle setzten, stellen zumindest den Morse- und Sprechfunk mit Ausnahme von Entwicklungsländern in vorraussehbarer Zeit ein. Schon in den 70iger Jahren ersetzten Satelliten z.T. den Datenfunk ebenso wie Navigationsaufgaben, schließlich sogar die Telephonie. Der Aufbau des GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) enthob die Schifffahrt von der Abhörpflicht der Notruffrequenz 500kHz. 1998 schließlich beendete Norddeich Radio jeglichen Funkdienst, nachdem die dänische Küstenfunkstelle Lyngby Radio befristet die Pflicht der Überwachung der Notfrequenzen auf Grenz-und Kurzwelle übernommen hatte.
Für kommerzielle Anwender (Utility) hat die Kurzwelle zunehmend nur noch ergänzende Funktionen, so z.B. in Krisensituationen oder als Redundanz zu anderen Übertragungssystemen. Diese Rückfallebene ist aber dennoch ein Grundbestandteil ihrer Kommunikationssysteme.
Die Öffnung des Ostens hat zu einer Entlastung der Bandbelegung geführt, da vorallem die Propagandasendungen und das Jamming (gezielte Störung von Aussendungen mittels eigener Sender) nachließen.
Bei Rundfunkanstalten, SWL´s und Amateurfunkern löste dies eine gewisse Erleichterung aus, hat aber bei ersteren zu keiner spürbaren Neuorientierung zugunsten der Kurzwelle geführt. Dabei begann Anfang der 80iger Jahre die Diskussion um die Einführung der Einseitenbandmodulation (SSB) für Rundfunksendungen. Folge sollte eine Reduzierung der Sendeleistung und eine Verdopplung der verfügbaren Kanäle sein. Wie sich zeigte, fand SSB aber bis auf einige Testfrequenzen bei wenigen Anstalten keinen Einzug in den Kurzwellen-Rundfunk. So einfach die Umstellung für die Sendeanstalten auch gewesen wäre, so zögerlich wurde von Hörern mit der Beschaffung SSB-tauglicher Empfänger reagiert. Wärend in den Entwicklungsländern das fehlende Kapital auf Seiten der Hörer die Ursache gewesen sein dürfte, lässt sich feststellen, dass in den Industrienationen vorallem das Angebot an kleinen Bandempfängern mit SSB-Tauglichkeit ungenügend war, um diese Idee zu unterstützen. Der Kauf von teuren Amateurfunkgeräten verbot sich für den Konsumenten “Hörer” von selbst.
Der aktuellste Versuch, die Kurzwelle für den Rundfunk zu reaktivieren ist die digitale Signalübertragung, DRM (Digital Radio Mondiale). Durch Datenkompression soll hiermit eine Übertragungsqualität von etwa dem herkömmlichen UKW-Rundfunk erreicht werden, verbunden mit einer hohen Störsicherheit gegen die typischen Probleme des Kurzwellenfunks wie z.B. Schwund, atmosphärische Störungen etc.. Trotz der Euphorie seitens der Entwickler und eventueller Betreiber ist es eher zu bezweifeln, dass dies angesichts zumindest anfänglich teurer Empfangsgeräte Fuß fassen wird. Wie gesagt, es geht bei dieser Betrachtung nicht um SWL´s und Amateurfunker, die zur Ausführung ihres Hobby´s fast “jede” Unannehmlichkeit in Kauf nehmen, sondern um die große Zahl potenzieller Konsumenten, welche letztlich den Fortbestand eines Mediums sichern. Die Vollversorgung mittels UKW und Satellit erschwert solche Entwicklungen. Der Mißerfolg des DSR (Digitales Satelliten Radio) ist ein weiteres Indiz für die Trägheit des Marktes, oder vielleicht doch für die Souveränität der Konsumenten? Es bleibt auch abzuwarten, ob sich das DVB (Digital Video broadcasting) etablieren wird, nachdem sich schon das D2-MAC-Übertragungsverfahren nicht zur alleingültigen Norm entwickelt hat. Welche Aussichten hätte wohl das DAB (Digital Audio Broadcasting) gehabt, würde es jetzt nicht restriktiv (mit einer Karenzzeit) eingeführt, also per Gesetz durchgesetzt. Sie alle müssen die gleiche Hürde überwinden: die Einführung einer neuen Infrastruktur, die dem Nutzer zu teuer ist und dabei keine wesentlichen Vorteile bieten. Prädestiniert für eine solche Entwicklung könnten jedoch Schwellenländer werden, die, verbunden mit ihrer aufstrebenden Wirtschaft ohnehin vor einem Neuaufbau ihrer inländischen Medienversorgung stehen und damit so “nebenbei” digitale Übertragungstechniken einführen. In wieweit aber der weltweite Kurzwellenrundfunk davon beeinflusst wird, bleibt abzuwarten.
“Warum noch Kurzwelle?”, so die Überschrift. Was macht die Kurzwelle für den SWL eigendlich noch interessant?
Bei allem Pessimismus muss man o.g. Ausführungen relativieren. Der Frequenzbereich bis 30MHz bietet nach wie vor eine Vielzahl von physikalischen Eigenschaften, auf die viele Anwender nicht verzichten möchten (weltweite Verbindungen, einfache Betriebstechnik). Auch wenn Satelliten weltweite Verbindungen ermöglichen, so geschieht das mit enormem, technischen Aufwand. Vielen Entwicklungsländern bleiben solche Einrichtungen aus finanziellen Gründen verwährt, wobei, wie bereits gesagt, die Finanzkraft der Konsumenten die Grenzen setzt. Dazu kommte eine räumliche Ausdehnung dieser Länder, für die eine terrestrische UKW-Versorgung nicht praktikabel ist. Hier kommt die Kurzwellenversorgung zur Anwendung und dies wird sich noch Jahrzehnte nicht ändern, zumal die Bevölkerung immer noch mit AM-Radios versorgt ist. Gleiches gilt für die Kommunikation auf Kurzwelle, die in Australien sogar noch einen festen Bestandteil für die Bevölkerung darstellt. So stützt sich beispielsweise hier das Rettungswesen auf die Kurzwelle, ja sogar Schulen führen Fernunterricht mittels Kurzwelle durch. In den USA und England hat der Mittelwellenrundfunk noch Bedeutung für die Inlandsversorgung. Generell wird weltweit die Kurzwelle noch als Sprachrohr für Informationen und Selbstdarstellung des eigenen Landes verwendet.
Die Luftfahrt bedient sich der Kurzwelle neben der Satellitenübertragung immer noch für Fernverbindungen außerhalb der UKW-Reichweite, die Seefahrt wickelt zumindest noch Datenübertragungen auf Kurzwelle ab, in vielen Teilen der Erde wird trotz der Entwicklung aber noch längere Zeit Sprechfunk betrieben werden.
Ein starker Aufwärtstrend zeichnet sich wieder bei privaten Anstalten ab. Viele davon sind religiös geprägt. Sie nutzen die Sendeanlagen der staatlichen Anstalten oder der kommerziellen Institutionen, die ihren Betrieb zurückgefahren oder eingestellt haben. Sie mieten gewissermaßen deren Sendeanlagen. Sogar Hörerclub´s beteiligen sich mit geringer Sendezeit daran.
Nach wie vor werden Daten verschiedenster Inhalte über Kurzwelle übertragen, z.B. Wetterdaten, Zeit-, Normal-und Navigationsfrequenzen, verschlüsselte Informationen von Botschaften, z.T. sogar noch Pressetexte. Keinesfalls werden Militärische Stellen auf die Kurzwellennutzung verzichten, da sie, wie gesagt, eine denkbar flexible wie einfache Betriebstechnik erfordert. Neben weiteren, ungenannten Anwendungen, die alle auch in der Zukunft noch die Kurzwelle nutzen werden, ist noch der Amateurfunk zu nennen, der durch seinen experimentellen Charakter zur Rekultivierung der Kurzwelle beitragen könnte. Vielleicht gehen aus diesem Metier nocheinmal technische Entwicklungen hervor, die, wie schon einmal mit der Entwicklung der Betriebsart SSB, zu einer Revoloutionierung der Kurzwelle geführt hat.
Der Reiz des Kurzwellenhörens kann mehrere Aspekte haben. Zum einen ist es einfach die Informationsvielfalt, die sich der nationalen Zensur entzieht und die so den politischen und kulturellen Horizont erweitert. Ein anderer Aspekt ist die Sammlerleidenschaft. Ganz gleich, ob man für sich selbst den Ehrgeiz entwickelt, möglichst viele Stationen aus den verschiedensten Ländern empfangen zu haben, oder ob man dies mit der Erarbeitung von QSL-Karten und Diplomen dokumentieren möchte.
Der dritte Aspekt ist die Beschäftigung mit Naturgesetzen wie der Physik. Da sind die Ausbreitungsbedingungen zu berücksichtigen, eine direkte Folge der Erdphysik wie z.B. der Atmosphäre, der Sonneneinstrahlung und natürlich der elektromagnetischen Welle selbst. Letztere ist auch Dreh-und Angelpunkt der eingesetzten Technik, also des Empfängers und der Antenne. Die Kurzwellentechnik lässte tatsächlich noch viel Spielraum für Experimente und Eigenbauten.
Es ist unübersehbar, dass trotz aller Entwicklungen in der Funktechnik die Nutzung der Kurzwelle nicht ausstirbt. Gewiss haben viele Anwender die Kurzwelle verlassen, doch sie ist nun mal vorhanden und wird aufgrund ihrer Eigenschaften von neuen Anwendern entdeckt.

Dieses Feuerschiff mag verdeutlichen, welche Bedeutung die Kurzwelle einmal für die Schiffahrt hatte.